Zwischen zwei Stühlen

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Die Zukunft wartet mit verstärkt flexiblen Arbeitsformen auf. Strukturen, um diese neuen Modelle zu unterstützen, fehlen im Sozialstaat weitgehend.

Auf die Konjunkturmeldungen der letzten Wochen folgt ein vorsichtiges Aufatmen: Die Wirtschaft wächst wieder. In Österreich legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen dem zweiten und dritten Jahresviertel um 0,9 Prozent zu und erreichte damit die erste Steigerung seit knapp eineinhalb Jahren. Zwar grundelt das BIP noch deutlich unter dem Vorjahreswert (minus 2,4 Prozent), dennoch stimmt der allgemeine Trend Experten positiv. Die Stimulusgelder zahlreicher Staaten, darunter etwa Prämien für Neuwagenkäufe und massive Investitionen in Infrastruktur, scheinen sich bezahlt zu machen und treiben die Nachfrage in Europa und den USA mittlerweile deutlich an. Das Sorgenkind bleibt der Arbeitsmarkt. Dort zeigen zwar teilweise Subventionierungen für Kurzarbeit Wirkung, doch die weiterhin empfindlich hohen Arbeitslosenquoten dämpfen den privaten Konsum.

Zögerliche Solidarität
„Erwarten Sie in den nächsten paar Jahren ein katalytisches Ereignis“, schreibt Charles Grantham in seinem im Jahr 2000 erschienen Buch „The Future of Work“. Dieses Ereignis würde auf einen Schlag die Sicht auf die Welt verändern, so Grantham bedeutungsschwer weiter. Sein könne dies „eine Naturkatastrophe, ein ausgedehnter Krieg oder die Entdeckung fremden Lebens im Universum“. Als Gratham Wirtschaftsprophet spielte, war die Dotcom-Krise mit tausenden freigesetzten IT-Arbeitern gerade auf ihrem Höhepunkt. Im Herbst des folgenden Jahres stürzten Terrorangriffe in den USA die bereits angeschlagene Wirtschaft Nordamerikas in die Rezession.

Als Folge solcher Krisen sieht Grantham grundsätzlich ein verstärktes Interesse an der Gemeinschaft, woraus im Anschluss eine neue soziale Agenda und aussichtsreiche Geschäftsmöglichkeitenen entstehen sollen. Für Nordamerika mag dies, zumindest als Konsequenz der letzten Krise, bedingt zutreffen. Tatsächlich entstand in den letzten eineinhalb Jahren eine Art Solidaritätsgefühl, Gehaltskürzungen wurden teils widerstandslos hingenommen. Solidarbeiträge an der Wall Street sah man hingegen kaum. Umfragen in Österreich im Frühjahr 2009 zeigten, dass die Bevölkerung zur Sicherung von Arbeitsplätzen zu keinen zusätzlichen Zugeständnissen bereit war. Tenor: Die Grenzen des Zumutbaren sind erreicht.

Forderung nach Beweglichkeit
Es war das Informations- und Chip-Zeitalter, das alte Arbeitsmodelle völlig über den Haufen warf. Mit weniger Arbeitskraft wird mehr hergestellt. Das Rezept heißt nicht nur Automation, sondern längst auch intelligente Maschinen. Neue Kommunikationstechnologien machen nicht nur industriellen Arbeitsformen den Garaus, sondern auch alten Hierarchien. Die meisten modernen Arbeitnehmer üben im Laufe ihres Berufslebens eine ganze Reihe unterschiedlicher Tätigkeiten aus. Der sichere Karriereweg vom Ausbildungsabschluss hin zur Pension gehört der Vergangenheit an. Die neue Flexibilität, die als modern und potenziell chancenreich beschrieben wird und von temporären Projekt-aufträgen und immer wieder frischen Themen geprägt ist, steht für viele für Unsicherheit und grundlegend veränderte Lebensplanungsmodelle. Einer der Gründe dafür ist, dass die Strukturen des Sozialstaates noch die alten Muster unterstützen. Der Wandel in Richtung flexibler Arbeitsmodelle geht daher oftmals mit finanziellen Abstrichen einher und wird eher als Zwang denn als Chance wahrgenommen. Die Folge: Das unbefristete Arbeitsverhältnis gilt weiterhin als erstrebenswertestes Ziel im Erwerbsleben. Warum solche Verträge immer seltener werden, erklärt der Ökonom Jeremy Rifkin in seinem Buch „Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“ mit Konjunkturbelebungen, die keine Arbeitsplätze schaffen: „Wachstum ohne Arbeitsplatzzuwachs wird zum Dauerzustand.“ Hinzu kommt die Globalisierung: „Irgendwo auf der Welt sind Arbeitnehmer immer bereit, zu einem niedrigeren Lohn zu arbeiten“, so Rifkin.

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Dezember 2009 / Alexandra Riegler

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des pfm-Magazins.

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