In einem Pilotprojekt haucht die Telekom Austria den – mittlerweile doch mehr der Zierde dienenden – Telefonzellen wieder neues Leben ein. In Zukunft können Besitzer von Elektrofahrzeugen die Telefonzellen nämlich zum Auftanken nutzen. Der erste Prototyp wurde in der Lassallestraße in Wien errichtet, rund 30 weitere Telefonzellen-Stromtankstellen sollen heuer noch bundesweit entstehen.
Im Probebetrieb
Um die Stromtankstellen der Telekom Austria nutzen zu können, muss sich der Fahrer über SMS oder einen RFID-Chip (Kontaktlos-Chip), der in den Stecker des Fahrzeuges eingebaut wird, identifizieren. Das Laden selbst funktioniert dann ohne Anmeldung: Anstecken genügt. Während des Probebetriebs, der voraussichtlich bis Sommer laufen wird, kann der Strom sogar kostenlos mittels Caravan-Stecker getankt werden. Danach wird bequem mittels paybox per Handy gezahlt. Von den insgesamt 13.500 Telefonzellen der Telekom Austria sind 700 in der Multimedia-Variante ausgestattet, diese stehen in der ersten Ausbauphase im Fokus. Prinzipiell könnten alle Telefonzellen umgerüstet werden, Sinn macht das aber nur bei Standorten, die über die entsprechenden Abstellplätze verfügen. Durch den Einsatz von separaten Ladesäulen können jedoch auch weitere Parkplätze über die Telefonzelle versorgt werden. Am Ende des Jahres soll das Pilotprojekt evaluiert und gegebenenfalls über einen Regelbetrieb entschieden werden. Das Stromtanken via Telefonzelle ist vor allem für kurze Betankungen gedacht, zum Beispiel während dem Einkaufen, denn eine volle Aufladung des E-Autos würde bis zu sechs Stunden dauern. Beim E-Scooter benötigt man 80 Minuten, das E-Fahrrad ist immerhin schon nach 20 Minuten vollgetankt. Jedoch müssen E-Autos nicht unbedingt vollgetankt werden, da es meist aus-reicht, genügend Strom für die Heimfahrt zu haben. Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sind bereits zwei Drittel der Autofahrten kürzer als zehn Kilometer, womit auch das kurze Stromtanken für E-Fahrzeuge sinnhaft ist.
Herausforderungen
Derzeit steckt die E-Mobilität noch in den Kinderschuhen, laut einer aktuellen Studie des VCÖ wird die Anzahl der Elektrofahrzeuge jedoch in den kommenden Jahren stark ansteigen. 2015 soll es bereits 50.000 bis 60.000 Elektromopeds und 115.000 PKW mit Elektro- oder Hybrid-Motor geben. Auch die Politik nimmt sich verstärkt des Themas Elektromobilität an. Vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) wurde ein „Nationaler Einführungsplan Elektromobilität“ erarbeitet, der die Weichen für ein modernes und umweltfreundliches Verkehrssystem stellen will. „Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass Österreich bei der Einführung der Elektromobilität die Nase vorn hat. Um dies sicherzustellen, ist vor allem eine breite Zusammenarbeit von Industrie, Forschung und Politik vonnöten. Gemeinsam wollen wir zeigen: Elektromobilität `Made in Austria´ ist machbar“, so Bundesministerin Doris Bures. Laut dem Einführungsplan liegt die aktuelle Herausforderung derzeit bei der standardisierten Abrechnung und der Sicherstellung europaweiter, industrieübergreifender Standards, sowie beim standardisierten Informationsaustausch zwischen Elektrofahrzeug, Ladestation und Infrastrukturanbieter. Um diesen Herausforderungen Herr zu werden, startete der Klima- und Energiefonds die Ausschreibung „Technologische Leuchttürme der Elektromobilität“ mit einem Volumen von 7,7 Millionen Euro. Ziel der bis 27. Juli 2010 offenen Ausschreibung ist die Weiterentwicklung vorhandener und die Entwicklung neuer benötig-ter technologischer Komponenten in Fahrzeug und Infrastruktur.
Öffentlich versus privat
Laut BMVIT sollte auch die Energieaufnahme im privaten Umfeld forciert werden. Denn eingeräumt wird, dass erste Ergebnisse von Pilotversuchen zeigen, dass der Bedarf an Ladevorgängen im öffentlichen Raum deutlich unter den Erwartungen blieb und das Laden während der Nachtstunden in privaten Garagen dominierte. Auch eine aktuelle E-Mobility-Studie des Beratungsunternehmens Bain & Company kommt zu dem Fazit, dass es nicht unbedingt einer kostspieligen Infrastruktur für den Erfolg der Elektrofahrzeuge bedarf.
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Juni 2010 / Claudia Thon
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe des pfm-Magazins.
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