Wer bei der Familie Opitz in den Genuss eines zehngängigen privaten Dinners kommen möchte, muss zuerst den Weingarten besichtigen. Denn „80 Prozent der Qualität entstehen im Weingarten, nur 20 Prozent im Keller“ so der Starwinzer. Und schmunzelt: „Qualität beinhaltet eben als Wortstamm Qual“. Zwischen Wildgänsen, Reihern und 100 anderen Vogelarten des Seewinkels vermittelt Opitz seinen Gästen spannende Einblicke in die Besonderheiten des österreichischen Weinbaus und besonders den des Burgenlandes.
Kleinteilige Strukturen
Da sind zunächst die kleinen Parzellen. Vererbt wird meist an mehrere Kinder und deshalb ist die Weingartenstruktur zumindest rund um den Neusiedler See sehr kleinteilig. Jeder bekommt praktisch mit, was der Nachbar tut, eine biologische Bewirtschaftung ist nicht wirklich möglich. Die 17 Hektar, die Willi Opitz betreibt, verteilen sich deshalb auf 47 Plätze. In der Vegetationszeit legt der Winzer folglich täglich ordentliche Strecken zurück, wollen doch alle Weingärten täglich penibel kontrolliert und überwacht werden. Besonderes Augenmerk wird auf Schnitt und das Wachstum der Kraftwerke des Weinstockes, nämlich der Blätter gelegt. Die kurz geschnittenen Reben bindet Opitz nach unten, damit die Blätter tragenden Triebe eine möglichst große Höhe erreichen. Allerdings darf das Blattwerk auch zwecks guter Durchlüftung nicht zu dicht werden. Deshalb werden zu Beginn der Wachstumsperiode die Zweittriebe händisch ausgebrochen. Die Zahl der Trauben wird so weit reduziert, dass pro Stock nur eine Flasche Wein als Ertrag herausschaut. Nur so ist eine entsprechend hohe Qualität zu erreichen. Gerade im Frühjahr lässt sich im Weingarten also gut erkennen, wer auf Qualität setzt und wer nur große Mengen erzielen möchte. Es gibt sogar Weingärten mit rein maschineller Bearbeitung und daher mit in die Höhe stehenden Trieben, deren große Mengen dann auch maschinell geerntet werden.
Beim Besuch des Weingartens wird Opitz nicht müde zu betonen, dass der Boden alleine keinen guten Wein hervorbringt, selbst dann nicht, wenn man ihn als
Terroir bezeichnet. Ohne die sachkundige Pflege und die ständige Aufmerksamkeit für Witterung, Wachstum und umgebende Fauna, kann eben kein Spitzenprodukt erzielt werden.
Innovative Weine
Begonnen hat Opitz vor 15 Jahren ohne Kenntnisse, ohne Weingarten und ohne Angst, wie er sagt. Dem gelernten Maschinenbauer mit TGM-Ausbildung, der früher Finanzplanung bei MasterFood machte, gelang es im Laufe der Zeit acht Hektar zu kaufen und weitere neun zu pachten. Er setzte von Anfang an auf hohe Qualität, sorgfältige Weingartenarbeit und Kreativität bei den Produkten.
Einen besonderen Namen machte sich Opitz mit seinen Süßweinen. Unter dem Motto „Das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken“ entwickelte der konvertierte Maschinenbauer einige außergewöhnliche Kreszenzen. Etwas ganz besonderes ist der Schilfwein. Im September geerntet, werden die Trauben auf Schilfmatten bis Ostern des nächsten Jahres aufbewahrt und erst dann verpresst. Aus weißen Trauben entsteht der Schilfmandl und aus roten der Opitz One Mr. President, gewidmet der Wiederwahl Bill Clintons, was Opitz auch ein Gemeinschaftsfoto beim nächsten Besuch des Ex-Präsidenten in Österreich eintrug.
Bei den Rosé-Weinen hat sich Opitz ebenfalls einige Besonderheiten einfallen lassen. Der Pink Kiss wird aus der Pinot Noir Traube gekeltert, was ihn von den sonst üblichen auf Zweigelt basierenden Rosés deutlich unterscheidet. Und es wäre nicht Opitz, würde er den Pink Kiss nicht auch lieblich ausgebaut anbieten. Beim Private Dining wird dazu ein Granité vom Pink Kiss mit Waldbeeren gereicht. Eine sehr krative und wohlschmeckende Kombination. Eine besondere Überraschung gelingt Opitz auch beim Besuch des Weingartens. Plötzlich taucht Frau Maria mit einem exzellenten Sherry und Tochter Angela mit Getrüffeltem Parfait von der Gänseleber auf. Der Sherry könnte auch südlichen Produzenten zum Vorbild dienen.
Internationale Partner
Mit der originellen Strategie seinen Namen im Ausland aufzubauen um im Inland zu reüssieren, war Opitz von Anfang an erstaunlich erfolgreich. Heuer wird er die Exportquote bei seiner Jahresproduktion von 72.000 Flaschen daher von 80 auf 70 Prozent absenken können.
Relativ rasch konnte Opitz internationales Renommee erringen und wurde 1996/97 bereits zum Winemaker of the Year bei der International Wine Challenge in London gewählt. Deshalb gelang auch die Aufnahme in das Nobelkaufhaus Harrods oder die Liaison mit dem Formel-1-Rennstall McLaren. Kein Wunder auch, dass Opitz als sein Motto für Innovationen nennt: „Der Erste ist noch nie zu spät gekommen.“ Einige seiner Weine tragen daher auch Namen, die die Verbindungen zum Rennsport deutlich machen. Pole Position nennt sich der Welschriesling, McLaren Silver Lake der hervorragend gelungene Cuvée aus Burgundertrauben, nämlich Pinot Gris und Pinot Blanc. Obwohl der Name eher auf die Silberlacke in der Nähe von Illmitz zurückzuführen ist als auf die Silberlackierung der McLaren-Renner, wie Opitz dann doch zugibt.
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Mai 2010 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Mai-Ausgabe des pfm-Magazins.
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