Peter F. Mayer: Es gibt einen starken Trend zur Mobilität. Ein Teil davon sind Notebooks, die immer mehr klassische PCs ablösen. Wie sieht Samsung den Markt?
Chris T. Retinger: Für Samsung ist der Gesamtbereich IT-Lösungsmarkt wichtig, die sogenannte vierte Stufe. Aber von Anfang an: Die erste Stufe war die Halbleiterindustrie mit den Halbleiterprodukten. Gefolgt von Flachbildschirmen in Stufe zwei, also Fernseher sowie Monitore. Und die vierte Stufe sind IT-Lösungen. Hier steht wieder das Mobile Business im Vordergrund. Mobile Business war lange Zeit ein Hype und heute ist es eine Selbstverständlichkeit. Dies wollen wir auch mit den Netbooks erreichen, die zwischen den Smartphones und den Notebooks stehen. Mit integriertem UMTS-Modul sind diese jetzt der eigentliche, der neue, der wirkliche Personal Computer. Das Notebook ist vielen Kunden schon zu groß, wird also als Desktop-Replacement verwendet. Das bedeutet, dass das Notebook noch zu Meetings mitgenommen wird, jedoch das Netbook als hochmobiles Produkt überall verwendet wird. Wir glauben ganz massiv an das Notebook-Business. Nach einer internationalen Studie wird es im Jahr 2013 weltweit über 300 Millionen Wireless-Breitbandverbindungen geben. Und das spricht ganz klar für das Netbook beziehungsweise für die Mobility-Lösung.
pfm: Neben Notebooks und Netbooks gibt es noch zwei Kategorien in dem Bereich. Nämlich den eBook-Reader oder iPad und die zweite Kategorie, die ich separat sehe, ist der Convertible, also ein Gerät mit einem umklappbaren Bildschirm, auf dem man direkt arbeiten kann.
Retinger: Das Thema eBook ist für uns natürlich auch ganz wesentlich. Wobei ich da noch ein bisschen bremse, denn der Markt ist noch nicht ganz reif. Oder besser gesagt: Der Kunde wäre bereit für das eBook, aber die Infrastruktur passt noch nicht. Also ich glaube, dass ein eBook-Reader nur dann wirklich eine entsprechende Verbreitung erreicht, wenn es endlich Book-Stores gibt, in denen man sich Bücher runterladen kann. Dazu brauche ich aber auch entsprechende Partner – in Österreich etwa Morawa oder Thalia, weltweit Amazon. Nur wenn es für den Kunden einfach ist, jederzeit ein Buch, Magazin oder ähnliches online zu kaufen, dann sind wir am richtigen Weg. Ich habe in einer Studie gelesen, dass die Altergruppe bis zu 25 Jahren überhaupt kein Papier mehr braucht. Die Jugendlichen lesen alles auf dem mobilen Gerät oder dem Bildschirm – die perfekte Zielgruppe. Die Zielgruppe zwischen 25 und 45 neigt dazu, auf mobilen Endgeräten zu lesen, aber möchte immer noch etwas in der Hand haben. Und dann die Zielgruppe über 45, die bevorzugt immer noch Papier. Für die Generation, die heute die kaufkräftigste Gruppe darstellt, ist es aber noch ein Gadget.
pfm: Bei Handys setzt Samsung sehr stark auf den Touch. Ist zu erwarten, dass das auch bei den Notebooks in Form des Convertibles an Bedeutung gewinnen wird?
Retinger: Das wird auch kommen, aber wir sehen den Markt noch nicht dafür. Mal schauen, in welche Richtung es in Österreich und Europa geht.
pfm: Es gibt österreichische Mobilfunker, die ziemlich massiv darauf setzen.
Retinger: Ja, aber nur drauf setzen heißt nicht, dass es auch wirklich ein Erfolg ist. Convertibles werden erfolgreich sein, wenn es entsprechende Software-Lösungen dafür gibt. Da sprechen wir aber von Individualprogrammen, die im B2B-Bereich Anwendung finden.
pfm: Was hat Samsung derzeit im Angebot für den mobilen Menschen?
Retinger: Wir haben in Österreich Ende vergangenen Jahres begonnen, die Notebooks einzuführen. Wir haben uns im Notebook-Geschäft zuerst dem B2C-Markt mit einer selektiven Distribution zugewandt. Derzeit haben wir in Österreich nur Mediamarkt und Saturn autorisiert. Weitere Händler, wie etwa Niedermayer, kommen jetzt dazu. Mit den B2C-Geräten haben wir deswegen gestartet, weil der Service eine leichtere Sache ist als mit B2B – der B2B-Kunde erwartet natürlich ganz andere Serviceleistungen. Wir brauchen dafür individuell anpassbare Service-Levels, also spezielle Service Packages. Der zweite Grund war der, dass wir im B2C-Bereich unser Design austesten können. Und der dritte ist ganz klar: Über B2C können wir einfach größere Stückzahlen bewegen und damit Feedback vom Markt bekommen, viel einfacher als über B2B. Wir haben ein sehr, sehr gutes Feedback bekommen. Mediamarkt und Saturn sind mit unserer R580- und R780-Serie praktisch ausverkauft und fordern permanent nach. Parallel haben wir dann auch die Netbooks bei den Mobilfunkern eingeführt. Momentan läuft ein T-Mobile-Deal mit dem N150, das in vielen Farben angeboten wird, und jetzt starten wir auch mit der Mobilkom einen speziellen Deal. Das sind also unsere ersten Berührungen mit dem Notebook-Segment. Die Ziele für heuer sind da auch schon sehr ambitioniert gesteckt: Wir wollen in unserem Territory, dazu gehört Österreich, Schweiz und Slowenien – wobei wir in Slowenien Netbooks noch nicht verkaufen – heuer zumindest 100.000 Netbooks absetzen.
pfm: Wie schaut es mit dem B2B-Markt aus?
Retinger: Den B2B-Markt planen wir im zweiten Halbjahr 2010 anzugehen. Wir werden uns zuerst Ausschreibungen annehmen und sukzessive in das normale small-medium-B2B einsteigen.
pfm: Was macht das Besondere an Samsung aus? Warum glaubt Samsung konkurrenzfähig zu sein gegenüber anderen Herstellern, die schon länger auf dem Markt sind?
Retinger: Samsung ist schon sehr, sehr viele Jahre im Notebook- und Netbook-Business tätig. In Österreich und der Schweiz starten wir erst jetzt. Wir sind erst im Jahr 2006 nach Österreich gekommen. Man kann eben nicht alles gleichzeitig machen. Wir haben uns zuerst im IT-Umfeld auf Monitore und Printer fokussiert. Wir sind in Österreich Marktführer bei Monitoren und bei Multifunktionsgeräten um jetzt mal einiges aus dem IT-Bereich zu nennen. Aber warum Samsung? Man kann natürlich sagen, wir kochen alle mit demselben Wasser, wir verwenden ja alle dieselben Komponenten. Das Schöne ist, die meisten dieser Komponenten, vielleicht mit Ausnahme des Intel-Prozessors, kommen von Samsung. Samsung ist ein Basistechnologie-Hersteller. Ich denke jetzt nur an die DD3-Bausteine, also Hauptspeicher. Auch optische Laufwerke, Festplatten oder Drucker Engines kommen von uns. Wir produzieren auch extrem energiesparende Speicher, die bis zu 60 Prozent weniger Energie verbrauchen. Bis zu 75 Prozent der Komponenten, die in unseren Notebooks verbaut sind, sind von Samsung und werden von Samsung produziert. Was Samsung noch so unique macht, ist unter anderem, dass wir weltweit zu einem der innovativsten Unternehmen zählen. Wir haben über 3500 Patente. Wir haben bis jetzt eine Fabrik, die hat einen Ausstoß von jährlich zehn Millionen Notebooks. Das wird uns jetzt zu wenig. Demnächst eröffnet eine zweite Fabrik für weitere zehn Millionen Stück.
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April 2010 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der April-Ausgabe des pfm-Magazins.
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