Totale Mobilität

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Mobiles Breitband ist immer für Superlative gut - die Verbreitung nimmt genauso rasant zu wie die verfügbare Bandbreite. Mobiles Arbeiten und Entertainment boomen heute so wie Handys vor zehn Jahren. Wie es weitergeht.

Wer in Bad Radkersburg ein Zimmer sucht und auf die Residenz Domenico stößt wird zum virtuellen Rundgang eingeladen. Immerhin zehn MB stehen zum Download bereit - mit ADSL immerhin eine Sache von rund einer Minute. Und dabei nimmt das Videofenster etwa nur ein Viertel eines besser auflösenden Bildschirms ein. Für den ganzen Bildschirm wären wohl etwa 100 MB Videostream erforderlich und eine entsprechend lange - fade - Downloadzeit. Mit mobilem Internet lässt sich diese Downloadzeit schon heute auf ein Siebentel und im nächsten Jahr noch weiter reduzieren. Für den potenziellen Besucher bietet das Hotel damit ein Superservice und positives Entscheidungskriterium.

Oder nehmen wir die Speditionen Bischof und Nothegger in Westösterreich. Die Kühlkette für Lebensmitteltransporte darf nicht unterbrochen werden, will man dem Kunden und Konsumenten optimales Service bieten. Also müssen alle nötigen Daten aus Lagerhaus und Transporter laufend an die Zentrale des Logistikunternehmens übertragen werden um dem Management Steuer- und Kontrollmöglichkeiten zu bieten. Und das geht klarerweise nur, wenn mobiles Internet clever genutzt wird, in dem Fall das von T-Mobile (Bericht siehe Seite 6).
Der Arthur D. Little (ADL) Experte und Beratungsguru Karim Taga zitiert aus einer eigenen Studie, dass von den Nutzern Quality of Service und Coverage als die wichtigsten Kriterien für die Entscheidung für den einen oder anderen Mobilfunkbetreiber angesehen werden. Marktführer Mobilkom berichtet von einer  Verfünffachung des Datenverkehrs im Jahr 2007 im eigenen Netz. Und wir alle kennen die fallenden Preise am Markt und den damit entstehenden Kostendruck für die Anbieter.

Neue Technologien
Das sind die Faktoren, die die Mobilfunker dazu bewegen laufend ihre Netze zu modernisieren. Und wie das in der Technik nun mal meist der Fall ist, reduzieren neue Technologien die Produktionskosten. In internationalen Gremien arbeiten Industrie und Mobilfunker ganz eng zusammen um die Standards für die kommenden Jahre zu definieren. Das wichtigste Gremium ist die NGMN Alliance (New Generation Mobile Networks) an dem alle führenden Anbieter wie Alcatel-Lucent oder Samsung auf Herstellerseite und T-Mobile, China Telecom, Japans Docomo, Vodafone oder US-Marktführer Verizon versammelt sind. Derzeit wird der Standard für LTE (Long Term Evolution) festgelegt, der ab 2011 auf den Markt kommen und Bandbreiten bis 300 Mbit/sec ermöglichen wird.
Interessant ist, dass sich der Standard LTE nun im Gegensatz zu UMTS weltweit durchzusetzen scheint. "LTE wird den Mobilfunk sicherlich maßgeblich weiterentwickeln. Der Endkunde wird ein qualitativ hochwertiges Always-On Erlebnis haben und Telekombetreiber werden neue Formen von mobilen Breitband-Lösungen mit einem profitablen Business Modell anbieten können. Also aus heutiger Sicht eine Win-Win-Situation“ beschreibt Harald Himmer, Generaldirektor Alcatel-Lucent Austria und Head of Central Europe, die Vorteile dieser Technologie. Auch Boris Nemsic, CEO Mobilkom Austria und Telekom Austria Group meint zum Thema neue Netztechnologien: "Diese neuen Technologien werden für die Anwender noch höhere Übertragungsraten bieten, mit denen sie breitbandigere multimediale Dienste bei weiter verkürzten Latenzzeiten nutzen können. Für uns als Netzbetreiber bieten sie mit einer deutlich flacheren Architektur die Möglichkeit, den weiteren Ausbau unseres Netzes bei vergleichsweise geringeren Investments voranzutreiben."
Entsprechend hochrangig sind auch die Mobilfunker in der NGMN Alliance vertreten. T-Mobile entsendet etwa Hamid Akhavan, CEO T-Mobile International, als Chairman in das NGMN Board. Auch die CTOs von China Mobile, der Vodafone Group oder France Telecom - Orange sind im NGMN-Board zu finden.

Die drei großen G
Der Feldherr Montecuccoli wurde bekannt mit seiner Antwort an Maria Theresia auf die Frage was er zum Kriegführen benötige: "Majestät, zum Kriegführen benötigt man drei Dinge: Geld, Geld und nochmals Geld." Um im Mobilfunk erfolgreich zu sein benötigt man Geschwindigkeit, Geschwindigkeit und nochmals Geschwindigkeit. Und der interessante Nebeneffekt ist, dass man damit sogar Kosten senken kann. Denn die höhere Bandbreite wird erzielt, indem Frequenzen besser genutzt sowie weniger und billigere Komponenten zur Datenübertragung eingesetzt werden.
Allerdings - und das ist auch ein Grund für den Netzausbau - ist die verfügbare Bandbreite (oder Geschwindigkeit) an einer Basisstation (die Station, die mit einem Handy oder mobilem Internetanschluss in Verbindung steht) relativ. Denn alle Nutzer dieser Basisstation teilen sich in diese Bandbreite. Das heißt, je mehr User dranhängen, desto weniger bleibt für den einzelnen. Im Festnetz ist das anders: Hier hat jeder Anschluss eine garantierte Bandbreite, die mit niemandem geteilt werden muss. Auch jede Basisstation hat einen derartigen Anschluss ans Festnetz, womit der Datenverkehr ins Internet weitergeleitet wird. Dieser Anschluss ans Festnetz ist ein nicht ganz unwesentlicher Kostenfaktor - laut ADL-Experten Taga kommen daher etwa ein Drittel der Kosten. Und mit dem weiteren Ausbau der mobilen Bandbreiten muss auch der Festnetzanschluss aufgerüstet werden, was vor allem in ländlichen Gebieten ein nicht ganz unbeträchtlicher Kostenfaktor sein kann. Für den Vollausbau von LTE mit Bandbreiten von 300 Mb/s (pro Sektor - eine Basisstation hat üblicherweise mehrere Sektoren) wird in der Regel bereits ein Glasfaseranschluss nötig sein, der erst extra verlegt werden muss.

Der Frequenzpoker
Um den steigenden Datenverkehr abwickeln zu können, brauchen die Mobilfunker neue Frequenzen. In den USA steht bereits die kostengünstige und für LTE sehr gut geeignete Frequenz rund um 700 MHz zur Verfügung, die in Österreich derzeit Rundfunk und Fernsehen vorbehalten ist. Ab 2015 muss sie laut einer EU-Richtlinie auch für den Mobilfunk verfügbar gemacht werden. Der Regulator Georg Serentschy bemüht sich jedoch in Diskussionen diese schon früher zur Verfügung zu stellen (siehe Kasten auf Seite 18). Die Frequenz, die in Europa verfügbar gemacht werden wird, ist das 2,6 GHz Band. In Skandinavien, UK und in den Niederlanden ist die Vergabe schon erfolgt, in Österreich wird sie nächstes Jahr stattfinden. Eine andere Alternative sind die Frequenzen, die laut Lizenz für GSM genützt werden dürfen, nämlich 900 und 1800 MHz. Die Fachleute sprechen dabei von ‚Refarming‘. Da diese Frequenzen aber auf Grund des unterschiedlichen zeitlichen Markteintritts der Betreiber sehr ungleich verteilt sind, muss vorher eine Einigung über eine Umverteilung erzielt werden.

Die Strategie der Betreiber
Seit Ende 2006 verzeichnet mobiles Internet in Österreich laut Studien von ADL stärkere Zuwächse als Breitband via DSL und Kabel (siehe pfm-Magazin 11-12/2007). Seither überbieten sich die Mobilfunker dabei, die höchsten Bandbreiten und die größte Flächendeckung anzubieten.

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