Supernetworker am Prüfstand

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Supernetworker am Prüfstand

 
 

Businessnetzwerke boomen. Doch das Kontaktesammeln im Internet will gelernt sein: Hinz und Kunz sind zwar rasch kennengelernt, wirklichen Nutzen bringt dies ohne dahinter liegende Strategie aber kaum.

Knapp zehn Jahre nach ihrer Erfindung im kalifornischen Silicon Valley haben Pink-Slip-Partys wieder Saison. Massenentlassungen, die in den USA den Ausgang nehmen und nach Europa und Asien übergreifen, treiben Jobsuchende dazu sich zu organisieren. Wer nicht zum potenziellen Rekrutierungscocktail kommt, trifft sich in Grüppchen, um gegenseitig die Moral hochzuhalten und gemeinsam Strategien zum nächsten Job auszuarbeiten. Nicht wegzudenken sind dabei die Networking-Plattformen des Internet. Soziale Businessnetzwerke wie Xing oder LinkedIn boomen bereits seit geraumer Zeit. Der wirtschaftliche Abschwung treibt ihren Erfolg nur weiter voran.

Die Möglichkeiten mit etwas Entschlossenheit schnell und unkonventionell an Personalentscheider heranzukommen, sind im Internet ungleich größer als im Büroalltag. Hierarchien, wenngleich auch in sozialen Netzwerken nicht unbekannt, sind beim virtuellen Networking weit weniger bedeutend: Das Internet scheint seine Nutzer gleicher zu machen.

Wer nicht in der Defensive ist, kann entspannter an das neue Potenzial herangehen - im Vertrieb etwa. "Man traut einander im Chat mehr als in der klassischen Unternehmenskommunikation", sagt Robert Hofer-Lombardini, Leiter Network Planing Resources bei Telekom Austria TA. Der passionierte Networker ist von der Schwarmkreativität, die sich plötzlich bietet, begeistert: Seit sich soziale Netze im Internet breit machen und sich Nutzer an allen Ecken verständigen, schwirrt es nur so vor Ideen. Eine natürliche Grenze, so Hofer-Lombardini, sei lediglich das verfügbare Zeitbudget.

Offenheit versus Status
Der Haupteinzugsbereich der börsenotierten Xing ist Mitteleuropa. Sieben Millionen Nutzer zählt das Netz weltweit, die meisten davon wohnen im deutschsprachigen Raum. Zwar strecken die Hamburger ihre Fühler in Richtung der USA aus, diese sind aber weiterhin fest in der Hand von LinkedIn, des weltweit größten Business-Netzwerks mit rund 35 Millionen Nutzern. Und LinkedIn wächst. Allein in Deutschland soll das Unternehmen bereits fünf Millionen Anwender haben. Seit wenigen Wochen gibt es auch eine deutsche Version des Portals.

Ob man nun Xing, LinkedIn oder beides verwendet, ist eine Mischung aus persönlichem Geschmack und der Zielgruppe, die ins Auge gefasst wird. Xing bietet eine bessere Benutzerführung, Werbung tritt nur am Rande in Erscheinung. LinkedIn wiederum finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Internetwerbung, entsprechend präsent ist diese dort. Dafür gibt es kaum international tätige Networker, die nicht auf LinkedIn anzutreffen sind. Kurzum: Wer weltweite Verbindungen knüpfen will, kommt um die Plattform nicht herum.

Dennoch ähnelt sich Kritik vieler Xing-Benutzer gegenüber LinkedIn: Was, außer Kontakte sammeln, lässt sich  dort anfangen? Tatsächlich gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen den beiden Netzwerken. Während sich Xing-User nicht selten bei Stammtischen und regionalen Meetings treffen, steht bei LinkedIn das bloße Sammeln von Kontakten im Vordergrund, zumal diese "connections" die Möglichkeiten innerhalb der Plattform bestimmen. Diese Vernetzungsstruktur bedingt gewisse Beschränkungen. Während bei Xing Benutzer eines Premium-Accounts - rund ein Zehntel der Mitglieder - an jedermann eine Kontaktanfrage senden können, funktioniert dies bei LinkedIn nur mithilfe des erweiterten eigenen Netzwerks. LinkedIn verweist dabei auf die Politik des Netzwerks: Nutzer sollten nur Personen als Kontakte hinzufügen, die diese auch wirklich kennen. "Je stärker und enger die einzelnen Fäden sind, umso stärker wird das daraus entstehende Stück Stoff", schreibt Patrick Crane, Vice President für Marketing bei LinkedIn, in seinem Blog.

So genannte "Open Networker" wollen dem System ein Schnippchen schlagen, indem sie nahezu jeden zu ihrem virtuellen Bekanntenkreis hinzufügen und so die eigenen Möglichkeiten und die von Neulingen erweitern. Den Betreibern von LinkedIn dürfte dies zuletzt bitter aufgestoßen haben. So sollen einige Super-Networker E-Mails erhalten haben, in denen das Unternehmen verlangt, dass nach 30.000 Kontakten genug sein soll.

Steven Burda, in den Medien als einer dieser Super-Vernetzer zitiert, spart nicht mit Kritik: So deutet seiner Ansicht nach das Vorgehen darauf hin, dass LinkedIn bald Geld verlangen könnte, um Benutzer mit kontaktfreudigen Anwendern wie ihm zu vernetzen. LinkedIn führt wiederum ins Treffen, dass die virtuellen "connections" die Geschäftsverbindungen des echten Lebens widerspiegeln und damit eine Art Visitenkarte sind: Wer Hinz und Kunz kennt, gilt unter Umständen als nicht selektiv genug.

Ob sich Qualität erzwingen lässt, ist freilich fraglich. Jedenfalls aber, könnte dies ein Schritt sein, um das Businessmodell von Xing anzustreben. Denn die Deutschen machen gutes Geld mit ihren bezahlten Mitgliedschaften. Zuletzt verzeichneten die Hamburger einen Einnahmenzuwachs von 80 Prozent. 80 Prozent der Einnahmen von Xing stammen von zahlenden Mitgliedern. Im Alles-Gratis-Internet gilt dies als durchaus erstaunlicher Trend.

Heißt die Konkurrenz Facebook?
Beim Absturz der US Airways-Fluges 1549, der mit einer Notwasserung im New Yorker Hudson-Fluß glimpflich ausging, soll einer der Passagiere rasch eine Nachricht auf der Microblogging-Site Twitter abgesetzt haben. Microblogging, das in Form von Statusmeldungen auch auf Xing, insbesondere aber auf Facebook existiert, stellt eine zusätzliche Bindung zu den sozialen Netzwerken her. Hinzu kommen neuerdings etwa GPS-Standortbestimmungen: "Hans Huber postete heute aus Los Angeles, Kalifornien" ist da etwa zu lesen.

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März  2009 / Alexandra Riegler

 

Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.

 

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