Die Diskussion um die niedrige Geburtenrate ist in Österreich nach wie vor brandaktuell. Auf der Homepage des Instituts für Demografie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Vienna Institute of Demography, VID) kann jeder interessierte Bürger das Geburtenniveau in Österreich beobachten. Als erstes Land der Welt hat Österreich 2006 dieses System des regelmäßigen monatlichen Monitoring der Geburtenentwicklung eingerichtet.
Geburtenbarometer
Mit dem Geburtenbarometer werden monatlich die Fertilitätsraten in Österreich gemessen. Dabei berechnen die Forscher zwei verschiedene Maße der Periodenfertilität. Das eine Maß ist die konventionelle Fertilitätsrate, die in jedem europäischen Land von den zuständigen statistischen Ämtern erhoben wird. Im zweiten Fertilitätsmaß wird auch das Hinausschieben von Geburten in ein immer höheres Alter berücksichtigt. Diese Entwicklung war in den vergangenen 30 Jahren in fast allen europäischen Ländern zu beobachten, erklärt Tomáš Sobotka, der Mitentwickler des Geburtenbarometers.
Elementarteilchen der Gesellschaft
Dieses detailgenaue Beobachten der Geburtenentwicklung ist ein wichtiger Teil der Demografie – der sogenannten Bevölkerungswissenschaft. Die Veränderung der Bevölkerung ist also das Forschungsfeld des internationalen Teams am Vienna Institute of Demography. Dabei werden Bevölkerungswachstum, Bevölkerungsschrumpfung aber vor allem die Veränderung der Bevölkerungsstruktur nach dem Alter oder nach der Bildungsstruktur genau beobachtet. „In gewisser Weise beschäftigen wir uns mit den Elementarteilchen der Gesellschaft“, erklärt Wolfgang Lutz, Direktor des Instituts für Demografie. Der primäre Fokus des Instituts liegt auf der vergleichenden europäischen Demografie. Dabei beantworten Forscher wichtige Fragen, wie zum Beispiel „Wieso haben Österreicherinnen weniger Kinder als Französinnen?“, oder „Wieso sterben die Menschen in Osteuropa früher als in Westeuropa?“. Die Antworten liefern wichtige Daten für die aktuelle Gesellschaftspolitik, denn diese kann nur auf Veränderungen Einfluss nehmen, die sie erkannt und verstanden hat. Genau darauf zielt die europaweite Studie mit dem Namen „Generations and Gender Survey“ ab. Der österreichische Teil der europaweit durchgeführten GGS-Studie wurde vom Vienna Institute of Demography (VID), der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) der Universität Wien gemeinsam geplant und vorbereitet. Der „Generations and Gender Survey“ (GGS) ist eine international angelegte Studie, die in vielen europäischen Ländern durchgeführt wurde und einen genauen Vergleich der Ergebnisse erlaubt. Die zweite Besonderheit liegt in der Tatsache, dass diesmal sowohl Frauen als auch Männer nach ihrem Kinderwunsch befragt wurden. Außerdem handelt es sich beim GGS um eine „Panel-Studie“. Das heißt, dass die Personen mehrmals zu breit angelegten Themenbereichen, wie Kinderwunsch, Partnerschaft, Aufteilung der Haushaltsarbeit, befragt werden. „Wir haben gerade eine erste Befragung durchgeführt, die aus den Mitteln des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und des Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend finanziert wurde. Österreich konnte erfreulicherweise auch an dieser internationalen Studie teilnehme“, erklärt Isabella Buber-Ennser vom VID.
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Feber 2010 / Olivera Stajić
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Feber-Ausgabe des pfm-Magazins.
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