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Stagnation im Mobilfunk-Markt

 
 

Die ehemalige Wachstumsbranche stagniert. Verluste bei Sprache können durch den Datenmarkt ausgeglichen werden.

Die einstige Wachstumsbranche ist nun in eine Phase der Stagnation übergegangen. Das Beratungsunternehmen Arthur D. Little (ADL) präsentierte Ende Mai vor den Vorständen von Mobilfunkunternehmen aus zwölf Ländern seine neueste Studie über den europäischen Mobilfunkmarkt. 2009 wird vom Autor der Studie Didier Levy als schreckliches Jahr bezeichnet. Einem Umsatzrückgang von acht Prozent bei Sprache steht nur ein Wachstum von vier Prozent bei Daten gegenüber. Von dem Rückgang verantwortet drei Prozent die Wirtschaftskrise, der Rest geht auf den auch im europäischen Maßstab beobachtbaren Preisverfall zurück. Die Preise sanken nämlich um elf Prozent, während das Minutenvolumen nur mehr um drei Prozent zulegen konnte. Und da die Sprache noch immer etwa 80 Prozent des Umsatzes ausmacht, gab es insgesamt einen Rückgang.

Sondersituation Österreich
Levy bezeichnet Österreich als einen der kompetitivsten Märkte weltweit. In Europa haben wir die höchsten Zuwachsraten bei mobilem Breitband, nur Finnland kann in etwa mithalten. Auch bei der Nutzung von mobilem Internet via Smartphones liegt Österreich weit vorne. Da das Festnetz-Breitband relativ teuer und langsam war, wurde es bei vielen Usern durch mobiles Breitband ersetzt und konnte sich sehr früh höherer Zuwächse erfreuen.

Eine ähnliche Situation hat sich nur in Finnland, Schweden und Portugal herausgebildet, in allen anderen Ländern ist der mobile Datenverkehr nur Ergänzung zu Fixanschlüssen. Hauptgrund dafür sind die niedrigen Preise. In Großbritannien, wo sich eine ähnliche Entwicklung abzuzeichnen begann, wurde der Trend aber durch die Mobilfunker rechtzeitig gestoppt.

Stagnation bis 2015
Bis zum Jahr 2015 erwartet ADL einen jährlichen Umsatzrückgang von vier Prozent bei Sprache und drei Prozent bei SMS. Mobiles Internet, also der Zugriff via Smartphone, soll hingegen um 28 Prozent pro Jahr wachsen. Und die Umsätze mit mobilem Breitband, also die Verwendung von Datenkarten und Dongles bei Note- und Netbooks, werden um immerhin 19 Prozent jährlich anwachsen. In Summe werden also die Umsätze pro Kunde und Monat bei etwa 29 Euro stagnieren.

ADL sieht kaum mehr Möglichkeiten andere Umsatzquellen zu erschließen. Die Netzbetreiber setzten lange Zeit große Hoffnungen in den Aufbau eigener Portale und inhaltlicher Angebote. Die Nutzung dieser Portale ist aber drastisch zurückgegangen und sie werden weiter verlieren. Dagegen werden Social Media-Plattformen massiv häufiger via Handy angesurft. So verweilen die User heute schon 24 Minuten via Handy in Facebook, gegenüber 28 Minuten via fixes Breitband.

Auch mit Applikationen ist für die Betreiber nichts mehr zu holen, da die AppStores von Apple, Android und RIM die Szene dominieren. Für Entwickler ist es wenig verlockend mit einer ganzen Reihe von Mobilfunkern Verträge abzuschließen. Lediglich lokale Applikationen, wie mParking oder ÖBB-Buchung können noch kleine Beiträge liefern. ADL rät den Mobilfunkern daher ganz klar, sich auf das Kerngeschäft des Angebotes an Infrastruktur zu konzentrieren. Wenn man daran denkt, dass etwa 3 als Multimedia-Anbieter angetreten ist...

Voice over IP wurde längere Zeit als Gefahr für die Sprachkommunikation angesehen und tatsächlich wurde Skype alleine für das iPhone bereits sechs Millionen Mal heruntergeladen. ADL sieht darin jedoch kein wirkliches Problem, da die Betreiber mit Kombipaketen reagieren können, die Sprachminuten, SMS und Daten beinhalten. Oder sie vermarkten selbst aktiv Voice over IP Pakete. In Österreich werden die Kombipakete ja bekanntlich schon von allen Betreibern angeboten, zum Teil auch schon mit echten Kampf-preisen.

Was den Mobilfunkern also bleibt, ist, sich auf den kostengünstigen Ausbau der Infrastruktur zu konzentrieren. Karim Taga, Geschäftsführer von Arthur D. Little Österreich und Co-Autor der Studie sagt dazu: „Was Netzinfrastruktur anlangt, sollen Mobilfunker neue Partnerschaftskonzepte überlegen, um kostengünstig Megabytes produzieren zu können. Vor allem im Zusammenhang mit den neu vergebenen Frequenzen bieten sich neue Geschäftsmodelle an.“

Entwicklungen im Smartphone Markt
Ganz wichtig für die Umsatzentwicklung ist der Grad der Verbreitung von Smartphones und ob es den Betreibern gelingt, zusätzliche Datenpakete zu verkaufen. 2015 werden 60 Prozent der verkauften Geräte Smartphones sein. Taga sagt dazu: „Der Kampf der nächsten Monate wird sich sehr stark in zwei Bereichen abspielen: Wie kann ich im Massenmarkt das iPhone-Phänomen replizieren, nämlich es massentauglich zu machen und breitere Kundenschichten anzusprechen. Und wie können die Mobilfunker zu den Smartphones zusätzliche Datenpakete verkaufen.“ Derzeit wird zu nur 60 Prozent der Smartphones ein Datenpaket dazu verkauft. Laut ADL bringen Smartphones den Betreibern zusätzlich etwa 4,5 Euro pro Monat.

[...]

 

Juni 2010 / Peter F. Mayer 

 

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe des pfm-Magazins.

 

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