Smarter Planet und Österreich

Smarter Planet und Österreich

 
Credit: IBM
 

IBM verfolgt die Strategie des „Smarter Planet“. Was damit gemeint ist und was das für Österreich bedeutet, erläutert IBM Generaldirektor Leo Steiner im Interview mit
Peter F. Mayer.

pfm: IBM propagiert als Vision den Smarter Planet. Was ist damit gemeint?

Leo Steiner: Smarter Planet ist für uns nicht nur eine Vision, sondern geht viel weiter. Worum es geht ist, aus den heute explosionsartig steigenden Datenmengen, aus den Vernetzungen und den Möglichkeiten der IT mit Daten umzugehen wirkliche Informationen zu machen und diese zu nutzen um Dienstleistungen und Produkte in der Qualität zu verbessern, aber auch dem heutigen Kostendruck zu begegnen. Dies gilt für jede Industrie, genauso für die Verwaltung, Banken und jede andere Branche.

pfm: Was genau ist das Smarte daran?

Steiner: Das Smarte daran ist, wie wir mit dem Ganzen umgehen. Die Fragestellung, alles besser und billiger zu machen, das hatten wir schon immer und wird es weiter geben. Aber mit den heutigen Technologien und Möglichkeiten haben wir wirklich die Chance einen großen Schritt nach vorne zu machen. Bisher war es so, dass wir Prozesse genommen und in der IT abgebildet haben, das heißt, automatisiert und mit IT unterstützt haben. Heute sind wir in einer Situation, wo wir Prozesse völlig neu definieren und sie mit der IT umsetzen können. Es geht nicht nur darum einzelne Prozesse zu automatisieren, sondern Prozesse zusammenzufassen und damit auf eine neue Ebene zu heben. Zum Beispiel im Gesundheitsbereich eine Röntgenaufnahme elektronisch abzuspeichern, heißt ja noch lange nicht, dass sie alle, die sie benötigen, auch wirklich zur Verfügung haben. Heute haben die Aufnahme im besten Falle ich oder mein Arzt, aber andere Ärzte eben nicht.

pfm: Smarter Planet ist eine Strategie, die aus den USA kommt. Welche Bedeutung hat das für uns, für Österreich?

Steiner: Aus unserer Sicht kommt es nicht aus den USA, denn wie Sie wissen, haben wir eine sehr, sehr große Consultingcrew, die natürlich weltweit aufgestellt ist. Aus dieser Consultingtätigkeit wurde zuerst das Konzept und dann die Umsetzung für Smarter Planet entworfen. Der Eindruck mag entstehen, dass es aus den USA kommt, da unser Headquarter in den USA ist und das Konzept Ende 2008 von unserem Chairman formuliert worden ist. Aber grundsätzlich handelt es sich um weltweite Trends und damit trifft es auf die USA, auf St. Pölten und andere Länder oder Städte genauso zu.

pfm: Wenn man das noch weiter runterbricht – was nützt Smarter Planet dem österreichischen Unternehmen?

Steiner: Es nützt nicht nur dem Unternehmen, sondern in erster Linie sogar dem Bürger. Smarter Planet unterteilt sich für uns in Smarter City, Smarter Energy, Smarter Health oder ähnliches. Bleiben wir wieder beim Gesundheitsbereich – wenn die Information für den Arzt so zusammengefasst wird, dass er eine bessere Diagnose und Behandlung machen kann, dann nützt das dem Einzelnen. Wenn ich den gesamten Energiebereich manage, vom intelligenten Gerät im Haushalt bis hin zur Übertragung und Produktion – wenn Sie diese Elemente zusammenbringen, dann kann man einerseits bessere Wirkungsgrade erzielen und auf der anderen Seite die Kosten senken. Und damit gibt es wesentlich bessere Dienstleistungen für den Bürger und Nutzen für die Unternehmen.

pfm: Ist das nicht genau das, was alle IT-Firmen erzählen? Was ist das Besondere bei IBM?

Steiner: Smarter Planet schaut wesentlich weiter in die Zukunft und adressiert wesentlich umfassendere Problemkreise. In allen  Branchen, ob Government, Verkehr, Gesundheit, Energie, überall kann man bisherige Insellösungen auf die nächste Ebene heben und durch die Zusammenfassung auch die Abläufe vereinfachen und neu überdenken. Aus jedem Gerät entstehen heute Daten, die genommen werden können um die Nutzung zu vereinfachen und das Produkt zu verbessern. Durch die Wirtschaftskrise ist auch ein Kostendruck entstanden, der dieses Konzept nicht nur unterstützt, sondern auch erforderlich macht. Bei Smarter Planet reden wir nicht über Hardware, Software, Dienstleistung oder Consulting – wir reden über die Verbindung dieser Elemente um diese Lösung auf die Beine stellen zu können. Und da sehen wir uns als einer der ganz, ganz wenigen oder den Einzigen der das machen kann, weil wir alle diese Bereiche im Haus haben und zur Verfügung stellen können.

pfm: Kommen wir zu IBM Österreich. IBM war früher als Hardware Company bekannt. Das Bild hat sich aber gewandelt und es gab sogar jüngst Meldungen, dass sich IBM von der Hardware Produktion ganz zurückziehen will.

Steiner: In dem Fall handelt es sich um eine Ente. Grundsätzlich haben wir uns über die vergangenen 15 Jahre von einer überwiegend auf Hardware orientierten Firma sehr stark in Richtung Lösung und Dienstleistung entwickelt. Wir können heute eben von der Hardware über Software, Lösung, Dienstleistung und Consulting alles anbieten. Wir können dadurch vom Consulting bis zur Umsetzung Projekte komplett abwickeln und gegenüber dem Kunden die Verantwortung übernehmen, dass alles funktioniert. Das wird sehr gerne angenommen und das zeigt, dass wir Bedürfnisse damit sehr genau treffen.

pfm: IBM hat sich aus dem PC-Geschäft verabschiedet. Ist es langfristig zu erwarten, dass man sich noch aus anderen Hardwarebereichen zurückziehen wird?

Steiner: Warum wir das PC Geschäft aufgegeben haben, liegt daran, dass der PC eine Commodity geworden ist. Wir sehen uns als B2B-Company, das heißt, unsere Kunden sind Unternehmen und damit passt für uns der PC nicht mehr ins Portfolio. Da wir aber weiter von der Hardware bis zur Dienstleistung alles abdecken wollen, wird sich an unserem Portfolio nichts mehr ändern und die Hardware, die für Unternehmen wichtig und zentral ist, wird weiter produziert und verkauft. Eine Reihe von unseren Forschern, auch in der Grundlagenforschung, arbeitet an der Technologie, wie etwa unsere neuen Power7-Ankündigungen zeigen.

pfm: Welche Anteile nehmen die einzelnen Bereiche ein?

Steiner: Etwa die Hälfte ist Dienstleistung und je ein Viertel entfällt auf Hardware sowie Software. Und das hat sich einige Zeit so eingeschwungen.

pfm: Was sind die Schwerpunkte von IBM Österreich?

Steiner: Der Schwerpunkt sind unsere Kunden. Was wir sehen ist der Kostendruck und die gesteigerten Anforderungen der Kunden unserer Kunden sowie der Kostendruck. Wir wollen ein komplettes Rechenzentrum hinstellen können, aber auch unsere Kunden beraten können, wenn sie ihr Geschäft völlig umkrempeln wollen. Wir decken Österreich flächendeckend ab, wir haben Niederlassungen in den Landeshauptstädten und wir arbeiten lokal sehr gut mit Partnern zusammen. Wir stellen damit für unsere Kunden sowohl die lokale Betreuung sicher aber auch einen Zugriff auf unser weltweites Wissen. Kein Land hat mehr ein spezifisches Wissen, das kann überall entstehen. Viel wichtiger ist, von überall auf das Wissen zugreifen zu können, egal wo es entstanden ist.

[…]

März 2010 / Peter F. Mayer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.

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