Die intelligenten Stromnetze von morgen wollen die Einwegkommunikation der heutigen Netze hinter sich lassen. Durch eine unmittelbare und bidirektionale Kommunikation zwischen Erzeugern, Netzkomponenten, Verbrauchern und Speichern soll eine energie- und kosteneffiziente Stromversorgung ermöglicht werden. Smart Grid, das Stromnetz der Zukunft, passt sich mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie der jeweiligen Nachfrage an und wird bereits als „Internet der Energie“ bezeichnet. Cisco-Chef John Chambers erwartet, dass der Smart Grid-Markt „größer wird als das ganze Internet“.
Kommunikativ vernetzt
Bei sogenannten Smart Grids werden elektrische Netze und Kommunikationseinrichtungen zu intelligenten Systemen verbunden. Auf Basis einer geeigneten und flächendeckenden Informations- und Kommunikationsinfrastruktur sollen verschiedenste Daten und Informationen flächendeckend erfasst und verteilt werden können. Dadurch werden auch neue Services für die Kunden ermöglicht. So kann durch intelligente Stromzähler – sogenannte Smart Meter – unter anderem die Fernauslese durch die Stromerzeuger ermöglicht werden. Auf der Verbraucherseite wäre zudem unter dem Überbegriff „Smart Home“ ein intelligentes Energiemanagement mit automatisierten Vorgängen für dafür ausgerüstete Haushaltsgeräte vorstellbar. Mit Smart Grid als Basis würde der Kühlschrank oder die Kühltruhe zum Beispiel dann stärker kühlen, wenn der Strom am günstigsten ist. Auch ein „Smart Building“ wäre auf dieser Basis denkbar.
Ein weiteres Zukunftsszenario ergibt sich in Anbetracht der zunehmenden Marktreife von Elektroautos. Diese könnten als Bestandteil des Smart Grid-Netzes als Speicher fungieren und so die Zeitdifferenz zwischen Stromerzeugung und Energiebedarf ausgleichen. Da das Elektroauto Verbraucher, Speicher und damit in Zukunft auch Stromlieferant in einem darstellen wird, könnte es als flexible Verbrauchertechnologie vor allem in Anbetracht der steigenden Dezentralisierung und der Energieherstellung auf Basis erneuerbarer Ressourcen als integrativer Bestandteil der Smart Grids für eine höhere Effizienz sorgen. Nicht unter den Teppich gekehrt werden darf allerdings die Frage nach der Datensicherheit, denn das „Internet der Energie“ baut schließlich auf Informationen auf. Kritische Stimmen sehen in der Echtzeit der Informationen die Datensicherheit der Kunden gefährdet. „Datenschutzaspekte sind Inhalt aktueller Untersuchungen. Insbesonders ist aber anzumerken, dass auch aufgrund der Datenmengen, versucht werden muss möglichst die Daten lokal zu speichern und nur zu verwenden wenn der Datenowner dies ermöglicht“, erklärt Andreas Lugmaier, Vorsitzender der Österreichischen Technologieplattform Smart Grids, Siemens Österreich.
Smarte Projekte
Weltweit gibt es bereits zahlreiche Bestrebungen Smart Grids voranzutreiben. Die US-Regierung hat vergangenes Jahr acht Milliarden Dollar (umgerechnet 5,5 Milliarden Euro) Fördergelder in Smart Grid-Projekte investiert. In Italien wurden von 2001 bis 2005 sämtliche Stromzähler gegen Smart Meter – die sich aber auf die Funktion der Fernauslese beschränken – ausgetauscht und in Deutschland müssen bei Neubauten und Totalsanierungen seit Jahresbeginn 2010 intelligente Stromzähler kostenneutral eingebaut werden. Aber auch in Österreich werden Projekte in dieser Hinsicht gefördert. Die Salzburg AG erhielt im Dezember vergangenen Jahres eine 1,7 Millionen Euro hohe Förderung vom Klima- und Energiefonds und gilt als Modellregion für Smart Grids. Im Mai 2008 wurde zudem die Österreichische Smart Grid Technologieplattform als Zusammenschluss von Stakeholdern im Bereich der elektrischen Energieversorgung gegründet, die sich in der „Roadmap Smart Grids Austria“ mit dem Energienetz der Zukunft auseinandersetzt.
„Österreich verfügt bereits heute über großes Know-how, Produkte sowie Innovationen im Bereich der Smart Grids. Eine Fokussierung auf nationale Stärken ist dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor, der Fokus der in Österreich aktuell in Entwicklung befindlichen Technologien liegt im Bereich der intelligenten Stromverteilernetze (Smart Distribution Grids) und muss daher im Hinblick auf die internationale Positionierung in diesem Bereich auch gezielt weiter ausgebaut werden. Das gezielte Engagement in dieser Thematik bietet für österreichische Unternehmen die Chance, sich an die Spitze der Weiterentwicklungen der Netzinfrastruktur hin zu Smart Grids zu stellen und damit einen technologischen Wettbewerbsvorteil zu sichern! Dies ist jedoch nur durch forcierte technologische Innovationen und strategische Kooperation von Technologieprovidern, F&E Einrichtungen und der Energiewirtschaft zu erreichen!“, meint Lugmaier.
Hoffnungsmarkt
Im Markt mit Smart Grids spiegeln sich viele Hoffnungen wieder. Neben der Reduktion des CO2-Ausstoßes durch effektives Energiemanagement soll die Importabhängigkeit auf Dauer gesenkt und der Anteil erneuerbarer Energieträger erhöht werden. Durch die verbesserte Warnung vor potenziellen Problemen oder Fehlern in Netzen und darauf entsprechend gesetzten Schritten können Smart Grids einen Beitrag zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit liefern. Zukünftige Anforderungen an die Stromsysteme werden Mehrkosten für das Elektrizitätsversorgungssystem und somit auch für den Kunden verursachen. Laut der „Roadmap Smart Grids Austria“, die im Frühjahr 2010 veröffentlicht wird, könnten die Mehrkosten für Smart Grid-Lösungen jedoch geringer ausfallen, als wenn das Stromsystem wie bisher geplant und ausgebaut wird. Ob und in welchem Ausmaß diese Kostenvorteile jedoch in der Praxis umgesetzt werden können, gilt es laut der Roadmap noch zu klären. „Die Europäische Technologieplattform Smart Grids schätzt, dass zwischen 2003 und 2030 circa 16.000 Milliarden Dollar weltweit (500 Milliarden Euro in Europa) für die Erneuerung und Erweiterung der elektrischen Infrastruktur notwendig werden. Wie viel davon in intelligente Netze investiert wird, wird aktuell versucht abzuschätzen. Auch für Österreich ist eine solche Zahl noch im Detail zu erarbeiten“, so Lugmaier.
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Feber 2010 / Claudia Thon
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Feber-Ausgabe des pfm-Magazins.
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