Mitten in der Wirtschaftskrise sorgt die Sonnenstrom-Branche noch immer für tausende neue Arbeitsplätze und saubere Energie. Nicht so in Österreich. Betroffen von der Sonnenfinsternis sind vor allem auch Händler, Elektriker und Monteure. „Gerade jetzt im Frühjahr sollten wir für unsere Kunden die Anlagen planen und organisieren. Durch die unklare Fördersituation gehen uns laufend Aufträge verloren“, schildert Rudolf Raymann, Photovoltaik-Installateur, die derzeitige Lage am heimischen Markt.
Derzeit deckt Photovoltaik in Österreich nur 0,03 Prozent des Strombedarfs. Im Freistaat Bayern mit gleichen klimatischen Verhältnissen liegt der Wert immerhin schon bei zwei Prozent. Im Jahr 2008 wurden, nach Recherche des Branchenverbandes Photovoltaic Austria (PVA), nur noch 2,9 MWp errichtet. Insgesamt verfügt Österreich nun über rund 30 MWp PV-Leistung. Zum Vergleich: Alleine im Jahr 2008 konnte unser nördlicher Nachbar Tschechien seine PV-Leistung um 51 MWp ausbauen. „Aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen ist der Heimmarkt vom internationalen Trend abgekoppelt“, berichtet Christoph Panhuber, Spartenleiter Solarelektronik bei der Firma Fronius. Die heimischen PV-Unternehmen seien nun zu fast 100 Prozent auf Export angewiesen. Deshalb fordert die PVA ein Ökostromgesetz nach Vorbild des deutschen „Erneuerbaren Energien Gesetz“, damit der Ausbau des Marktes endlich auf internationales Niveau gebracht werden kann.
Versäumnisse der Politik
Der bis zur letzten Regierungsumbildung zuständige Minister Martin Bartenstein war durchaus kein Freund von erneuerbaren Energien. Das noch unter seiner Federführung entworfene neue Ökostromgesetz ist deshalb nach Ansicht von PVA-Sprecher Hans Kronberger absolut untauglich: „Das alte Ökostromgesetz ist noch in Kraft, funktioniert aber nicht – das neue liegt seit Monaten in Brüssel, ist völlig unzureichend und niemand weiß, ob es jemals bewilligt wird.“ Der neuen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hatte Mitte April zu einer Konferenz aller Stakeholder, also auch Vertreter der Solarstrombranche, gebeten, aber solange das Gesetz in Brüssel liege, habe man keine Möglichkeit aktiv zu werden, wie die Sprecherin von Mitterlehner dem pfm-Magazin erklärte.
Der boomende deutsche PV-Markt ist dagegen das Ergebnis zielorientierter Rahmengesetzgebung: Schon 1990 wurde mit dem 1000-Dächer-Programm der Grundstein zur Marktentwicklung gelegt und mit dem Erneuerbare Energien Gesetz konnte im Jahr 2000 ein stabiler Rahmen geschaffen werden. Das macht sich für die Wirtschaft jetzt bezahlt. Der Branchenumsatz in Deutschland (Industrie und Zulieferer) beträgt im Jahr 2008 rund 8 Mrd. Euro. Alleine die Export-Umsätze wachsen heuer auf 5 Mrd. Euro an.
Der Klima- und Energiefonds legte im Vorjahr eine Förderung von knapp über acht Millionen Euro auf, die heuer zur Auszahlung kommt. Die Summe war binnen 17 Minuten vergeben – das zeigt einerseits das enorme Interesse bei den Konsumenten und andererseits dass die Summe viel zu gering war. Eine weitere Tranche soll aufgelegt werden, aber wieviel ist noch unklar und Gegenstand von Verhandlungen zwischen den federführenden Umwelt- und Wirtschaftsministerium. Seitens des Fonds ist jedenfalls der Wille vorhanden, die Summe zu erhöhen. Experten zweifeln aber an, ob dies der richtige Weg ist. In den Nachbarländern gibt es durch die Erneuerbare Energien Gesetze die Verpflichtung für die EVUs pro kWh zwischen 40 und 50 Eurocent zu bezahlen. In Österreich liegt der Preis derzeit bei mageren fünf Cent, nur einige EVUs zahlen mehr. Dabei handelt es sich bei Solarstrom um Spitzenstrom, der weit mehr Wert ist.
Energiereserve Sonne
Der Strombedarf in Österreich beträgt etwa 65 TWh pro Jahr. Der gesamte Energiebedarf beläuft sich auf etwa 360 TWh pro Jahr. Ein Quadratmeter Solarmodulfläche liefert 100 kWh pro Jahr – somit könnte man auf 3.600 km2 oder vier Prozent der Fläche von Österreich den gesamten Energiebedarf sauber und für immer ernten. Und das ist bei einem Wirkungsgrad von zehn Prozent gerechnet. Durch technologische Verbesserungen (erhöhte Effizienz, bifaciale Solarzellen, Nachführ-Systeme u.a.) erhöht sich der Wirkungsgrad aber beträchtlich und es genügt eine weit geringere Fläche.
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Mai 2009 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Mai-Ausgabe des pfm-Magazins.
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