Outsourcing - nah oder fern?

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Outsourcing - nah oder fern?

 

Das pfm-Magazin diskutierte mit international erfahrenen Experten verschiedene Strategien zum Outsourcing von IT-Leistungen. Teilnehmer an der Runde in Graz waren Klaus Glatz, CIO der Andritz AG, Gerhard Koiner, CIO der AVL List GmbH, und Jochen Borenich, Mitglied der Geschäftsleitung der T-Systems Austria.

pfm-Magazin: Was sind die Problemstellungen für die IT-Abteilung in Ihren Unternehmen?

Klaus Glatz: Primär geht es in unserem Fall um die Einführung globaler Prozesse zur Unterstützung unserer globalen Aktivitäten sowie um das Thema Harmonisierung und Konsolidierung unserer Infrastruktur und unserer Akquisitionen. Die IT hat global 210 Mitarbeiter, 80 davon in Österreich. Wir haben etwa 8500 User in insgesamt 70 Ländern auf allen Kontinenten, wobei derzeit noch ein Schwerpunkt auf Mittel- und Nordeuropa liegt, aber Indien oder China und Südamerika als massiver Wachstumsmarkt gewinnen laufend an Bedeutung.

Gerhard Koiner: Wir sind das weltweit größte, unabhängige Unternehmen für die Entwicklung von Antriebssystemen, Testsystemen und Simulation. Die Unterstützung der Geschäftsprozesse auf globaler Ebene ist auch für uns das vorrangige Thema. Die Prozessunterstützungswerkzeuge werden harmonisiert und ein globaler ERP-Rollout ist im Gang. Eine Herausforderung ist, dass die AVL größenmäßig nicht sehr homogen ist - in Graz sind wir etwas mehr als 2000 Leute und im Rest der Welt verteilen sich noch einmal so viele Leute über 80 Standorte mit zwischen einem und 600 Mitarbeitern. An jedem dieser Standorte müssen wir Kombinationen von unterschiedlichen Geschäftsprozessen unterstützen - etwa Powertrain Engineering, Instrumentation- and Test-Systems und Advanced Simulation Technologies. Eine wichtige Herausforderung für uns als Engineering-Unternehmen ist das Wissensmanagement - unser Produkt ist das Ergebnis eines Verarbeitungsprozesses von Wissen. Die PC- und Workstationanzahl ist wesentlich größer als die Zahl unserer Mitarbeiter, da wir in der Entwicklung auch Simulationssysteme einsetzen. In Summe haben wir etwa 6500 Systeme weltweit im Einsatz. Outsourcing ist bei uns schon seit 1996 ein Thema.

pfm: T-Systems betreut ja auch viele große global tätige Unternehmen. Wo sind Ressourcen zu konzentrieren und welche Erfahrungen gibt es mit der Bereitstellung der Kommunikations-Infrastruktur?

Jochen Borenich: Die T-Systems positioniert sich als führender europäischer IKT-Anbieter, das heißt, wir konzentrieren uns auf Unternehmen, die ihren Headquarter in Europa haben und betreuen diese weltweit. Das sieht man ganz deutlich in der Industrie - wir arbeiten etwa für VW oder Daimler global und haben deren Systemhaustöchter dazugekauft. Wir haben zur Unterstützung unserer global agierenden Kunden weltweit Standorte, in denen wir auch Outsourcing und von hier aus gesehen Offshoring machen können. Und natürlich gehört dazu auch die Bereitstellung der globalen Telekommunikation für unsere Kunden.

pfm: Wie sehen Sie das Verhältnis der einzelnen Kostenfaktoren: Personal, Telekommunikation, Hardware und Softwareentwicklung bzw. -lizenzen?

Glatz: Personalkosten in Europa sind sicher ein maßgeblicher Faktor. Europa ist hochpreisig im Vergleich zu China oder Indien, obwohl auch dort die Gehälter angezogen haben. Infrastruktur ist für uns das Rückgrat unserer Services, die wir global zur Verfügung stellen. Deshalb brauchen wir ein sinnvolles Netzwerk und sinnvolle Kommunikationsmöglichkeiten. Für businesskritische Applikationen, die zentral für mehrere Standorte angeboten werden, benötigen wir nicht nur eine, sondern zwei Leitungen um entsprechend ausfallssicher zu sein. Aber die Kosten sind im Vergleich zu den Personalkosten natürlich geringer. Bei den Lizenzen haben wir natürlich sehr spezielle Lösungen, etwa zur Turbinenschaufelberechnung, die entsprechend teuer sind. Bei den Softwarelizenzen ist es aber nicht die Erstinvestition, die weh tut, sondern vielmehr die Wartungskosten. Wenn es Unternehmen gibt, die die Wartungskosten unmotiviert um fünf Prozentpunkte erhöhen, dann belastet das natürlich alle Budgets. Gerade im ERP-Bereich, mit dem wir sehr viele Businessbereiche abdecken und daher viele User haben, ist es der Wartungskostenblock, der massiv weh tut. Und bei einer Erhöhung um fünf Prozentpunkte geht es um signifikante Eurobeträge. Und das zusätzliche Geld, das ich dafür brauche, bekomme ich nicht über eine einfache Budgeterhöhung, sondern muss es irgendwo anders einsparen.

Koiner: Die Kosten für die globale Vernetzung sind relativ überschaubar. In einem Engineeringunternehmen ist die restliche Infrastruktur natürlich relativ aufwändig. Aber Personal, das die Anforderungen der Business-Seite versteht und in die geeigneten Lösungen übersetzt, ist natürlich der große Kostenblock, der teilweise auch bei den Outsourcingpartnern gelagert ist. Lizenzen und Wartungskosten sind ebenfalls nicht unwesentlich.

Borenich: Die Deutsche Telekom ist weltweit das drittgrößte Telekom-Unternehmen und wir haben natürlich sehr hohe Kosten bei Backbones oder Überseekabeln. Das zweite Thema sind die Rechenzentren - wir haben über dreißig Mega-Rechenzentren, die kleinen nicht mitgerechnet. Alleine durch den Shell-Deal sind drei große Rechenzentren in den USA, Holland und Malaysien dazugekommen. In Österreich betreiben wir ein sehr großes Rechenzentrum in Wien, das T-Center, sowie ein kleineres in Raaba in der Steiermark. Der dritte Kostenblock ist ebenfalls das Personal. In Summe hat T-Systems 56.000 Mitarbeiter. Da suchen wir natürlich immer nach Möglichkeiten diese möglichst effizient zu nutzen und haben auch Offshoring-Strategien mit Partnern. In Summe machen wir damit zwölf Milliarden Euro Umsatz und sind umgekehrt auch einer der Top-Kunden in Europa für Lieferanten wie Cisco, IBM, HP, EMC oder Fujitsu Siemens. Durch Bündelung unserer Einkaufsressourcen versuchen wir auch hier die Kosten soweit wie möglich zu senken und die Vorteile an unsere Kunden weiterzugeben.

pfm: Was soll man outsourcen?

Glatz: Das Rule Set, also etwa das Regelwerk für Firewalls oder den Netzwerkbetrieb, muss ich intern definieren. Dieses zu implementieren ist wieder eine andere Sache. Ich habe gewisse Services und muss definieren was ich als Kernkompetenz des Unternehmens sehe. Commodity-Services kann ich von extern beziehen. Die Planung eines Netzwerkes muss ein Unternehmen selbst machen. Aber es wird keiner hergehen und Leitungen graben - dafür gibt es eben die Telekom-Unternehmen.

Koiner: Die Themen Architektur und Konzeption sind ganz klar Bereiche um die ich mich selbst kümmern muss. Die gestalterische Kompetenz darf man nicht aus der Hand geben.

pfm: Beim Outsourcing gibt es unterschiedliche Strategien: Sie können Leistungen jeweils lokal zukaufen oder einem globalen Partner die Verantwortung übertragen.
Koiner: Meine klare Meinung ist, dass globale End-to-End-Services in bestimmten Bereichen wesentlich besser von einem Dienstleister wahrgenommen werden können, der sich auf das Geschäft spezialisiert hat. Ein Netzwerk-Controll-Center aufzubauen, noch dazu angesichts mancher Ein-Personen-Standorte in unserem Unternehmen, das ist etwas was wir uns nicht leisten wollen. Monitoring und Betrieb aus einer Hand sind ein klarer Vorteil.

Glatz: In dem Modell Plan-Build-Run muss die Planungskompetenz im Haus bleiben. Es geht darum den internen Kunden zu verstehen und ihn richtig zu unterstützen. Beim Thema Build, der Realisierung eines Projektes, scheiden sich die Geister. Wir haben da bei allen relevanten Themen immer eine gesunde Mischung zwischen intern und extern. Wenn ich jetzt eine globale ERP-Einführung habe, werde ich nicht 50 Mitarbeiter aufnehmen, die nach dem Abschluss des Projektes wieder zu viel sind. Das wird sinnvoller von einer Mischung aus einer internen Kerntruppe und einem externen Dienstleister vorgenommen. Im operativen Betrieb gibt es auch unterschiedliche Ansätze -vom komplett externen hin bis zum rein internen Betrieb. Die Wahl der Lösung muss mit der Strategie des Unternehmens abgestimmt sein und daran muss sich die IT anpassen. Wir haben das auch gesehen, wie wir die VA-Tech-Hydro gekauft haben, die komplett outgesourct waren und unsere Philosophie ist, sehr selektiv vorzugehen. Da kamen zwei unterschiedliche Ideologien zusammen und diese unter einen Hut zu bringen und anzugleichen ist ein gewisser Aufwand.

pfm: Wie ist es beim Rechenzentrum? Betreibt man es selbst oder lässt man es betreiben?

Koiner: Wir haben ein redundantes Layout für unsere Rechenzentren gewählt, das heißt wir haben ein Hauptrechenzentrum am Standort bei der AVL als auch ein outgesourctes Rechenzentrum bei einem Partner. Durch die örtliche Trennung haben wir auch Vorteile in der Ausfallsicherheit.

pfm: Macht es noch Sinn selbst ein Rechenzentrum zu betreiben? In Rechenzentren wie dem T-Center wird ja praktisch alles inklusive extremer Sicherheit geboten.

Borenich: Wir sehen das genau so wie Sie. Netzwerkumfeld und Design muss der Kunde selbst bestimmen. Wir können unterstützen, wir können Best Practice liefern, aber was Sie benötigen und wie Ihr Geschäft aussieht, das wissen Sie. Die Zeiten, wo man eigene Mitarbeiter mit einem Router durch die Welt geschickt hat, sind vorbei, das lässt man einem Servicepartner machen. Das geht vom Thema Wide Area Network nun bis zum LAN, man kann sich am Markt heute ein gemanagtes LAN anfordern und bekommt etwa einen Preis pro LAN-Port. Es geht so weit, dass die Kunden sich einen Quadratmeterpreis für WLAN wünschen - und das bieten wir auch an. Der Vorteil, wenn man für servicierte Ports bezahlt ist, dass das einfach rauf und runter skaliert und die Kosten werden monatlich einfach neu berechnet. Zum Thema Rechenzentren: Das T-Center ist ein Hochsicherheitsrechenzentrum und wir erleben, dass die Anforderungen der Auditoren laufend höher werden. Wir erbringen die Anforderungen an die Sicherheit einmal, machen die nötigen Audits und stellen den Kunden die benötigten Zertifikate zur Verfügung. Die Frage für den Kunden ist, ob es Sinn macht, das alles selbst zu erbringen und die zusätzlichen Kosten zu tragen. Wir haben jetzt vier Diesel installiert, die permanent warm sind und binnen 20 Sekunden einspringen können. Dazu haben wir Batterien für 40 Minuten Betrieb. Unsere zwei Tanks fassen je 22.000 Liter.

[..]

November 2008 / Das Gespräch führte Peter F. Mayer

Den gesamten Artikel lesen Sie in der November-Ausgabe von peter f. mayer.

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