Helmut Spudich vom „Standard“ hat es unlängst auf den Punkt gebracht: Microsoft-Produkte werden heute von den Menschen nicht als etwas aufregend Neues erlebt, sondern als more of the same. Zu Unrecht: im neuen Office 2010 steckt eine kleine Revolution. Es schließt das Internet als Speicherort ein. Für den kleinen Hunger gibt es SkyDrive, für den großen Datenappetit kommt SharePoint zum Einsatz. Wobei man seinen SharePoint-Plattenplatz auch durchaus bei Dienstleistern mieten kann.
SkyDrive statt Festplatte
Wer immer sich bei Microsoft Live anmeldet, bekommt 25 Gigabyte Speicherplatz im „SkyDrive“ dazu geschenkt. Darin lassen sich Ordner anlegen und Office-2010-Dateien speichern. Erreichbar ist der SkyDrive über den Browser, und der muss nicht von Microsoft sein. Beim Arbeiten mit einer Datei, etwa in Word, erfolgt auch jedes Zwischenspeichern im SkyDrive. Stehen Word, Excel, PowerPoint und OneNote nicht auf dem lokalen PC zur Verfügung, liefert der SkyDrive übers Net eine abgespeckte Version dieser Programme mit. Sie kann so gut wie alles, was man zum Arbeiten braucht.
Man kann Dokumente übers Internet für Andere freigeben. Ein E-Mail aus dem SkyDrive heraus genügt.
Braucht man Dokumente einmal wirklich lokal auf der eigenen Platte, ordnet man im Menü „Herunterladen“ an. Seit es den SkyDrive gibt, hat mein USB-Stick als Speichermedium fast ausgedient. Fast, denn es gibt eine Einschränkung, die ich schon schmerzlich zu fühlen bekommen habe: Keine Datei darf mehr als 50 MB groß sein. Eine Grenze, die für Texte und Tabellen groß genug ist. Aber bei PowerPoint und OneNote mit ein paar hochauflösenden Grafiken erreicht man diese Grenze rasch. Die Notlösung: Präsentationen und OneNote-Notizbücher teilen und erst nach getaner Arbeit zusammenfügen. Oder eben wie früher diese großen Dateien auf dem USB-Stick lassen.
Einfügen wird intelligent
Der gute alte Befehl „Einfügen“ kann in Office 2010 deutlich mehr. Wer ihn wählt, bekommt eine Reihe kleiner Icons auf den Schirm. Sie bieten zusätzliche Optionen an. Bei Word kann man wählen, ob Layout und Schriftbild des Originals beim Einfügen an anderer Stelle erhalten bleiben oder ob sie an Layout und Schriftbild im aufnehmenden Dokument angepasst werden. Bei Excel stehen die vielen Optionen des Dialogfeldes „Inhalte einfügen“ in mehr als einem Dutzend Icons übersichtlich und nach einiger Gewöhnung aussagekräftig zur Wahl.
Menü-Ribbons lassen sich anpassen
Was haben wir nicht alle gemault, als die seit Jahrzehnten gewohnten Menüs durch die „Ribbons“ ersetzt wurden.
Heute liest man, dass die Macher von „Open Office“ auch zur Ansicht kommen, die Zeiten der tief verschachtelten Befehlslisten seien vorbei. In Office 2010 trägt Microsoft der Maulerei Rechnung: Man kann erstens oft gebrauchte Befehle in die Ribbons einbringen und man kann zweitens die Icons für die allerwichtigsten Befehle in die Statusleiste ganz oben links im Programmfenster legen.
Outlook, das bei Office 2007 teilweise noch die alten Menüs hatte, ist jetzt auch voll im neuen Look.
Backstage fürs Handling von Dateien
Alles, was man „Backstage“, also hinter der Bühne, auf der die Dokumente ihren Inhalt zeigen, mit ihnen tun kann (Anlegen, Öffnen, Speichern und Versenden von Dateien), findet sich im neuen Menü „Datei“, das in allen Office-2010-Programmen ganz links im Menüband zu finden ist. Die Befehle und Arbeitsmöglichkeiten sind grafisch gut ausgearbeitet. Sie werden an Ort und Stelle gut erklärt.
Funktionalitäten, bisher als Extraoptionen, gehören hier zum Standard. Etwa Teile des Bildschirms aus Word oder Excel herauszukopieren und die Kopien in diese Programme einzufügen. Die können dann mit den „Bildtools“ weiter verfeinert werden. Grafiken ein- und anzupassen ist dank neuer, mächtiger Werkzeuge jetzt ungleich besser möglich als in früheren Office-Versionen. SmartArt liefert Dutzende Vorlagen für das Visualisieren von Beziehungen, Listen etc. 20 Künstlerische Effekte sind angeboten, ein zusätzliches Fotobearbeitungsprogramm wird sich in vielen Fällen erübrigen. Farbton und Farbsättigung lassen sich ändern. Nicht gewünschter Bildhintergrund kann entfernt werden.
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Juli 2010 / Josef Broukal
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe des pfm-Magazins.
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