Nützen Sie die Gelegenheiten

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Nützen Sie die Gelegenheiten

 

Glück - Rechnen Sie damit. Das war der Titel der Dezember Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Brand Eins. Wolf Lotter zitiert im Hauptartikel ein Experiment des englischen Glücksforschers Richard Wiseman, Professor für Psychologie an der Universität Hertfordshire. Glückspilze und Pechvogel wurden zu einem Termin gebeten. Die Glückspilze fanden sofort beim Eintreffen die von Wiseman unter dem Teppich platzierten Banknoten.

Glückspilze interessieren sich für alles was rundum passiert, Pechvogel ziehen sich auf sich selbst zurück. Ähnlich funktioniert das Wirtschaftsleben. Die Stimmung aber, und vor allem die Fähigkeit alles rund um sich aufzunehmen, spielen eine ganz wesentliche Rolle. Und natürlich die Erwartungshaltung. Analysten und die öffentliche Meinung nehmen seit einiger Zeit Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein" als Leitfaden für ihre Sicht auf die Wirtschaft. Als Systemiker erkannte der gebürtige Villacher die sich selbst erfüllende Prophezeiung als wesentliches Movens der kybernetischen Systeme Mensch und Gesellschaft.

Alle reden von Krise - wir machen sie. Dieses Motto scheint im Moment die Banken- und Analystenszene zu bestimmen. Als Ratingagenturen wie Moodys begannen das Triple A Rating Österreichs in Zweifel zu ziehen, reagierte Wirtschaftsforscher Karl Aiginger verärgert: „Das Ost-Risiko der Banken ist doch nur ein Kriterium. Unsere Wachstumsvorteile sehen sich die Analysten nie an." Und mit ihm ärgerten sich wenige Kommentatoren, die darauf hinwiesen, dass eben die Ratingagenturen Finanz"produkte" ebenfalls mit einem Triple A versehen hatte, deren Werthaltigkeit im Moment völlig am Boden liegt.

Ein Gastwirt im Waldviertel überzeugte mich vor kurzem mit seiner Sicht eines Glückspilzes. „Wir sind nicht weit von den Ballungsräumen Wien oder Linz entfernt. Wenn die Leute jetzt statt drei Tage in die Therme zu fahren, einen Eintagesausflug auf die Rosenburg machen, dann hebt das mein Geschäft", war seine optimistische Prognose für Frühjahr und Sommer. Denn jedes wirtschaftliche Umfeld bietet dem Möglichkeiten, der sie sieht.

Watzlawick empfiehlt stets das Schlechteste zu erwarten. ‚Sie liebt mich nicht.‘ Dann wird es auch eintreffen. Es stimmt gar nicht, dass nichts so schwierig vorherzusagen ist wie die Zukunft. Man muss nur lange und oft genug die Schrumpfung der Wirtschaft prognostizieren – dann wird sie auch eintreten. Denn nicht alle Menschen und schon gar nicht alle Manager sind Glückspilze. Wer Prognosen und Ratings mit Zahlen und Fakten verwechselt, wird die Möglichkeiten nicht mehr erkennen und statt dessen lieber sein Business schrumpfen und nichts investieren. Dann schrumpft die Wirtschaft auch wirklich. Was zu beweisen war.

Wie erfrischend dagegen die Prognosen von Karl Aiginger: Die Krise hat ihren Höhepunkt erreicht, die Konjunkturpakete werden ab dem zweiten Quartal wirken und im zweiten Halbjahr ist mit Erholung zu rechnen. Aber wollen das die Menschen hören? ‚Bad News sind good News‘ lautet eine alte Formel des Journalismus. Die Leute erwarten von uns Journalisten, dass wir ihnen Nachrichten liefern, die schlecht sind und die den Glauben an die Krise verstärken. Im Sinne der Auflage – bitte sehr, hier sind sie: Bankenpakete, Hilfspakete, Staatsbankrotte, rote Zahlen von Unternehmen – wir schreiben darüber, denn das will der Leser im Moment sehen.

Lesen Sie nach auf Seite 13 dieser Ausgabe, dass laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer 40 Prozent von 1000 befragten österreichischen Unternehmen ihre IT-Ausgaben kürzen wollen. Das hätte die WKO oder ich auch anders formulieren können. Zum Beispiel so: „Trotz düsterer Prognosen über das Wirtschaftswachstum sagt eine satte Mehrheit von 60 Prozent, dass sie die Ausgaben in die IT gleich lassen oder sogar steigern wollen." Noch vor einem Jahr hätten WKO und ich den Satz positiv formuliert. Vielleicht mit einem anderen Prozentsatz. Die mitschwingende Aufforderung ist offenkundig ganz unterschiedlich. Bei der ersten Formulierung nützt es dann wenig hinzuzusetzen: „Eine funktionierende IT-Infrastruktur und das Know-How, wie man sie bestmöglich einsetzt, sind heutzutage für die künftigen Herausforderungen unverzichtbar. Das würde Sparen am falschen Platz bedeuten."

Also nochmals von vorne. Eine satte Mehrheit von Unternehmen hält die IT-Ausgaben gleich oder steigert sie sogar. Damit sie besser werden und sich bietende Möglichkeiten nützen können. Glück ist etwas Neues, etwas das noch kommt. Wenn man damit rechnet.

Peter F. Mayer

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