Das fröstelnde Klima zwischen Europa und den USA hat sich etwas erwärmt, Freedom Fries gibt es nicht mehr. Seit im letzten Sommer 200.000 Menschen zur Rede des damals noch wahlkämpfenden und inzwischen angelobten US-Präsidenten zur Berliner Siegessäule kamen und ihm so heftig zujubelten, dass politische Kommentatoren in den USA erstaunt ihre Augenbrauen hochzogen, scheinen neue Zeiten angebrochen. „Partnerschaft und Zusammenarbeit unter Nationen ist keine Wahl. Es ist der einzige Weg um allgemeine Sicherheit und Fortschritte in der Menschheit zu sichern“, schmetterte Barack Obama in der deutschen Hauptstadt.
Sechs Monate später könnte die Ausgangssituation für die Obama-Regierung kaum schwieriger sein. Die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten liegt am Boden. Nicht einmal im kalifornischen Silicon Valley, wo kürzlich noch versichert wurde, dass Risikokapital zwar schwieriger zugänglich, aber durchaus noch vorhanden sei, lässt sich mehr Optimismus aufbringen. Das Weihnachtsgeschäft war vom neuen Sparsinn geprägt, die Zeitungen bringen Kochrezepte für Rezessionskost.
Das größte Kopfzerbrechen bereiten die Autobauer. Drei Millionen Arbeitsplätze sind in den USA mit den so genannten „Großen Drei“ aus Detroit verbunden. Ob diese überleben und wenn ja, für wie lange, scheint derzeit ebenso ungewiss wie die Dauer des Abschwungs.
Schwieriger Binnenmarkt
„Es wäre unseriös nach statistischen Auswegen zu suchen“, umschreibt Christian Kesberg, Handelsdelegierter der Wirtschaftskammer Österreich in New York, die schwierige Marktlage in den USA: „Alle, die in den US-Binnenmarkt liefern, werden unter dem Nachfragerückgang leiden.“ Die amerikanische Wirtschaft würde 2009 laut Expertenschätzungen eine Kontraktion von voraussichtlich zwei Prozent erfahren. Für österreichische Unternehmen, die ihre Waren in den USA verkaufen und in den letzten Jahren schon am hohen Eurokurs laborierten, bedeutet dies nichts Gutes: „Ein Minus so um die zehn Prozent“, schätzt Christian Kesberg.
Es gäbe allerdings eine „Wasserscheide“ zwischen Organisationen, die in die USA exportieren und solchen, die die US-Exportindustrie belieferten. Letztere stünde, nicht zuletzt aufgrund des weiterhin günstigen Dollars, mitunter recht gut da.
Wirtschaftshilfspakete
Obama umgibt sich indes mit einem Expertenteam, das von den Medien „Superkabinett“ genannt wird. Eine seiner ersten Amtshandlungen ist die Einbringung eines knapp 800 Milliarden Dollar schweren Stimuluspakets. Sollte dieses den Kongress nicht passieren, malte Obama Anfang Jänner bei einer Rede an der George Mason University in Virginia ein düsteres Bild: „Die Arbeitslosenrate könnte zweistellige Werte erreichen. Unsere Wirtschaft könnte eine Billion Dollar unter Kapazität laufen, was für eine vierköpfige Familie einen durchschnittlichen Einkommensverlust von mehr als 12.000 Dollar bedeutet.“
Sämtliche Budgetzuwächse für 2009 dürften daher im Stimuluspaket zu suchen sein, wie zum Beispiel im Bereich Forschung. „Die meisten Leute sagen, wenn es (eine Erhöhung; Anm.) nicht im Stimuluspaket ist, dann wird es 2009 nicht mehr passieren“, zeigt sich Norman Neureiter, Direktor des AAAS Center for Science, Technology and Security Policy in Washington, überzeugt.
Dass die Konjunkturpakete vorrangig auf die Beschäftigungszahlen und nicht die Exportindustrie zielen, davon ist Wirtschaftskammer-Mann Kesberg überzeugt. Der von der Regierung in Aussicht gestellte Schwerpunkt auf Infrastrukturverbesserungen und Umwelttechnologien berge jedoch beträchtliche Chancen für Österreich. „Die USA stehen vor ihrer Re-Industrialisierung. Und gerade der Maschinenbereich ist eines der Stärkefelder Österreichs“, so Kesberg.
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Februar 2009 / Riegler Alexandra
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Februar-Ausgabe des pfm-Magazins.
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Suchbegriffe: Mut für die Flucht nach vorne