(Dubai, 20.09.2010) Der Blackberry hat sich zum Zankapfel der Telekomanbieter am Persischen Golf mit dem kanadischen Hersteller Research in Motion (RIM) entwickelt. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi Arabien, Bahrain, Qatar und Kuwait, die ölreichen Staaten der Region, haben alle ihre Bedenken wegen möglicher „Sicherheitsmängel“ angemeldet. Zu guter Letzt haben sich auch Indien, Indonesien und der Libanon den Bedenkenträgern angeschlossen.
Das Grundproblem jener Staaten ist, dass das Blackberry-Service aufgrund seiner speziellen Architektur die vorhandenen Abhörstrukturen umgeht. Blackberry-E-Mails, Messenger-Daten und Internetdienste werden direkt über kanadische Server geroutet, was es den Schnüffeldiensten in den angesprochenen Staaten verunmöglicht, die Daten zu screenen.
Terrorattacken
Diese Möglichkeiten werden angeblich von verschiedensten Gruppierungen ausgenützt, wie Sicherheitsexperten in der Region befürchten. So seien die Terrorattacken in Mumbai in 2008 auf der Basis von Blackberry-Kommunikation durchgeführt worden, behauptet der indische Geheimdienst.
Eine Quelle, die dem Sicherheitsapparat der VAE nahesteht, erklärte gegenüber PFM, dass es auch Anhaltspunkte dafür gäbe, dass die Attentäter des Hamas-Führers Mahmoud Al Mabhouh, der im Jänner 2010 tot in einem Hotelzimmer in Dubai aufgefunden wurde, Blackberrys zur Kommunikation benützt hätten, um dem Abhörapparat der Emirate zu entgehen.
„Die Sicherheitsbedenken der Region rechtfertigen eine stärkere Überwachung der elektronischen Kommunikation“, sagt Theodor Karasik, Direktor von Inegma (Institute of Near East and Gulf Military Analysis). „Das Sicherheitsumfeld hier kann ziemlich gefährlich werden.“ Es gehe darum, die Kommunikation von bestimmten Gruppen in der Region abzufangen, zum Beispiel von somalischen Piraten und ihren Komplizen in Dubai und anderen bewaffneten Gruppen, insbesondere in Hinblick auf einen möglichen Konflikt mit dem Iran.
Die Blackberry-Überwachung wird auch von Mustafa Al Ani, Direktor für Sicherheits- und Terrorismusstudien am Gulf Research Center, unterstützt.
„Ich kann das verstehen. Staaten mit Sicherheitsbedenken können sich nicht leisten, Schlupflöcher in ihrer Kommunikation zuzulassen“, so Al Ani. „Es gab verdächtige Fälle, in denen das organisierte Verbrechen Blackberrys zur Kommunikation benutzt hat. Für mich ist das Grund genug, um alarmiert zu sein.“
Strenges Versammlungsgesetz
Ein weiterer Grund, Blackberrys zu überwachen, ist das strenge Versammlungsgesetz in den Golfstaaten. So sind Arbeiterproteste in Bahrain im August angeblich über Blackberry-Dienste organisiert worden, was die Behörden in dem kleinen Inselstaat alarmiert hat. Im April hat Bahrain eine Blackberry-Messengergruppe mit 12.000 Mitgliedern gesperrt und war damit der erste Staat, der Massnahmen gegen den Blackberry Messenger ergriffen hat.
Der Telekom-Regulator in den VAE hat angekündigt, Blackberry-Dienste mit 11. Oktober 2010 zu sperren. Dieser Ankündigung folgten heftige Diskussionen und Meetings mit RIM- Repräsentanten, um eine amikable Lösung zu finden. Mohammad Al Ghanem, Generaldirektor der Telecommunications Regulartory Authority (TRA) meinte, dass „wir offen sind für eine Diskussion, um eine akzeptable, den regulatorischen Bestimmungen angemessene Lösung zu finden.“
Eine dieser Lösungen besteht darin, dass RIM den Staaten am Golf gestattet, ihre eigenen Server zu unterhalten. Der momentante Stand in Saudi Arabien ist der, dass RIM sich offenbar bereiterklärt hat, einen separaten Server in Saudi Arabien aufzustellen. Das Land, das dem Internet-Verkehr überaus strenge Gesetze in Hinblick auf „moralisch verwerfliche“ und „politisch bedenkliche“ Inhalte auferlegt hat, bleibt bei seiner intensiven Regulierung des Datenverkehrs. Das Modell eines eigenen Blackberry-Servers ist auch in den anderen Golfstaaten angedacht, zumindest wird intensiv darüber mit RIM debattiert.
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September 2010 / Arno Maierbrugger
Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins.
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