Bei der traditionellen Kommunikationstechnik sitzen die „Intelligenz“ und damit die Rechenleistung und der Schwerpunkt des Energieverbrauchs maßgeblich in der Telefonanlage, die mit viel herstellerspezifischer Hardware und einzelnen Bauelementen aufgebaut wird. Die Endgeräte selbst benötigen nur wenig Strom und werden problemlos über die Telefonleitung versorgt. Außerdem sind die Displays in den Telefonen, wenn überhaupt vorhanden, grau und klein. Neben der Schaltungstechnik der Telefonanlagen zeigt sich vor allem ihr Bedarf an Konvektionskühlung als echter Stromfresser. Kommunikationssysteme mit 1000 Nebenstellen haben so zum Beispiel einen elektrischen Anschlusswert von bis zu 5,4 Kilowatt (kW) und einen mindestens ebenso hohen Bedarf an Kühlleistung.
Inzwischen hat sich das allerdings schon geändert: Aktuelle Hybrid-Plattformen wie zum Beispiel die Hipath 4000 von Siemens Enterprise Communications (SEC) verbrauchen heute kaum mehr als ein Watt elektrischer Leistung pro Teilnehmer und kommen ganz ohne Klimatisierung aus.
Neben dem Energieverbrauch der einzelnen Telefonanlage muss bei vernetzten Lösungen aber auch der Stromverbrauch des gesamten Systems betrachtet werden. Stand früher an jedem Standort eines Unternehmens eine eigene Anlage, lässt sich mit der Einführung von Voice over IP (VoIP) die Kommunikationsplattform zentralisieren und die Filialen benötigen nur noch kleine und stromsparende Gateways. Abhängig von der Konfiguration sind dadurch Stromeinsparungen von bis zu 38 Prozent erreichbar. Da sich ein solches, verteiltes System auch „aus der Ferne“ per Remote-Zugriff einrichten, bedienen und warten lässt, entfallen ebenfalls die CO2-Emissionen bei den Fahrten eines Servicetechnikers zu den verschiedenen Standorten.
"Soft" bis zu 50 Prozent sparen
Mit dem Umstieg auf rein softwarebasierende VoIP-Lösungen wie Open-scape Voice von SEC, die zentralisiert im Rechenzentrum laufen, lässt sich der Stromverbrauch bei großen Installationen nochmals verringern. Denn Standard-Server können für große Teilnehmerzahlen energieeffizienter arbeiten als herstellerspezifische Hardware, die Zentralisierung reduziert zudem deutlich die Anzahl der benötigten Rechner und damit auch den Gesamtstromverbrauch. Die Zusammenfassung von Funktionalitäten im Rahmen von Unified Communications (UC) kann ebenfalls die Stromausgaben um bis zu 50 Prozent senken und ist deshalb ein effizienter Ansatz für eine „grüne Telekommunikation“.
Gleichzeitig sind auch die möglichen Energieeinsparungen und die Reduzierung von CO2-Emissionen durch den intelligenten Einsatz von Kommunikationsmitteln zu betrachten. Werden zum Beispiel Dienstreisen und –fahrten durch Videokonferenzen ersetzt, spart dies nicht nur Reisekosten, sondern entlastet auch wesentlich die Umwelt. Doch Videomeetings sind nur ein Werkzeug aus dem „Werkzeugkasten“ Unified Communications für die Reduzierung von Energiekosten. Präsenzbasierende Kommunikationsformen, verbesserte Erreichbarkeit, die Reduzierung von unnötigen Kommunikationsversuchen und der intelligente Einsatz von Konvergenzlösungen im Bereich Festnetz und Mobilfunk verbessern nicht nur die unternehmerische Kostenposition und steigern die Wettbewerbsfähigkeit – sie ermöglichen dies auch mit sinkendem Energieverbrauch.
Neue Formen der Web 2.0-Kommunikation machen Informationen leichter und schneller zugänglich, die sonst Berge von bedrucktem Papier oder lokalen Kopien auf den Festplatten produziert hätten. Außerdem steigt die Produktivität der Mitarbeiter, wodurch weniger Ressourcen wie zum Beispiel für die Heizung verbraucht werden. Auch die Einrichtung von Telearbeitsplätzen, mit denen der Trend zu Home-Office-Tagen und damit die tägliche Fahrt ins Büro überflüssig wird, ist mit dieser Technologie einfacher zu realisieren und ebenfalls ein Beitrag zum Umweltschutz.
Zentralisierter oder dezentraler Ansatz
Bei einer Investitionsentscheidung sollten deshalb auch diese langfristigen Aspekte zur Verbesserung der Energiebilanz mit beachtet werden. Dazu kommt, dass eine moderne Netzwerk-infrastruktur heute in den meisten Unternehmen ohnehin eine wesentliche Voraussetzung für ihr tägliches Geschäft ist.
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Mai 2009 / Klaus Lackner
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Mai-Ausgabe des pfm-Magazins.
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