Steve Ballmer, Microsoft

Koloss im Wanken

 
Credit: Microsoft
 

Auf den Softwarekonzern Microsoft kommen nun herbe Herausforderungen zu, wenn er im Internet-Zeitalter reüssieren will. So manche Schnitzer in der bisherigen Strategie sind dem charismatischen, aber strategisch ungeschickten Firmenboss Steve Ballmer anzulasten.

Nach goldenen Zeiten ist der Softwareriese Microsoft im Umbruch. Das Unternehmen, das nach wie vor einen Weltmarktanteil von bis zu 90 Prozent bei PC-Betriebssystemen und der Bürosoftware Office belegt, spürt derzeit den Gegenwind der Mobile Generation. Und auch im Internet-Geschäft läuft es nicht so, wie es sollte. Microsoft-Chef Steve Ballmer, der im Jahr 2000 Bill Gates als Chef des Konzerns nachfolgte, hat in den vergangenen Jahren einige Baustellen angehäuft, die ihm starken Handlungsdruck auferlegen.

Angefangen hat es damit, dass sich Microsoft aufgrund seiner Quasi-Monopolstellung offenbar nicht vorstellen konnte, dass seine Produkte jemals wieder durch Konkurrenz herausgefordert werden könnten. So war schon das Aufkommen von Open Source Steve Ballmer nur eine abschätzige Bemerkung wert: „Das ist wie ein Krebsgeschwür, das in Bezug auf geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt“, sagte er beispielsweise im Jahr 2001 über Linux.

Verlorenes Terrain aufholen
Wie sich herausstellte, war Schimpfen zu wenig, um auf die Herausforderungen zu reagieren. Linux und andere Open Source-Software haben an den Marktanteilen von Microsoft zu knabbern begonnen, zwar nicht so sehr im Desktop-Bereich, wo der weltweite Marktanteil nur bei geschätzten drei Prozent liegt, aber sehr wohl im Server-Bereich. Dort hat Linux einen Marktanteil von rund 25 Prozent erlangt, während Microsoft, ehemals fast die Hälfte des Marktes dominierend, auf 41 Prozent zurückgefallen ist.

Parallel zu Open Source setzte sich der Internet-Boom fort, den man in Redmond zum Teil wacker verschlafen hat. Zu jener Zeit, als Ballmer Konzernchef wurde, hatte der Internet Explorer einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Mit dem Aufkommen von Firefox und Opera fiel der Anteil allerdings konstant und dürfte heuer noch unter 50 Prozent plumpsen. Das hätte nicht sein müssen, wäre der Explorer von Ballmer rechtzeitig weiter entwickelt worden, meinen Microsoft-Kritiker.
Ähnliche Erfahrungen musste Microsoft mit dem Aufkommen Googles und seiner Suchmaschine machen. Nach den eher erfolglosen Abstechern mit MSN Search und Live Search in diesen Sektor versucht Microsoft nun mit seiner Suchmaschine Bing verlorenes Terrain aufzuholen. Mit massivem Marketing – dem Vernehmen nach hat Ballmer zwei Milliarden Dollar der weltweiten Markteinführung von Bing gewidmet – soll Google das Wasser abgegraben werden. Bisher mit mäßigem Erfolg. Laut Erhebungen  des Branchendienstes Netmarketshare hat es Bing in einem Jahr bisher auf magere 3,24 Prozent Marktanteil geschafft (Stand Mai 2010), während Google bei stattlichen 84,80 sehr konstant liegt (in Europa mehr als 90 Prozent). Auch die geplante Fusion der Suchmaschine mit Yahoo wird den Redmondern nur einen kumulierten Marktanteil von zehn Prozent bringen – und weiterhin stattliche Verluste. Und das ist bemerkenswert, da Bing im Vergleich zu Google technisch keineswegs absticht. In der gesamten Websparte hat Ballmer laut den Konzern-Geschäftsberichten seit Amtsantritt sieben Milliarden Dollar Verlust angehäuft, bei einem aktuellen Umsatz von vergleichsweise mickrigen 23 Milliarden.

Ballmer musste sich in der jüngeren Vergangenheit von intern und extern mehrmals die Frage stellen lassen, ob er der richtige Mann ist, Microsoft im Internetzeitalter zu führen. Er ist zwar ein ulkiger Kerl bei Präsentationen und Keynotes, und doch fehlt es ihm an der Credibility und dem Marketing-Genie eines Steve Jobs und an der Fähigkeit, Innovationskraft rasch zu verwerten – wie es ein Wissenskonzern wie Google tut und wie es Apple unter Steve Jobs laufend vorexerziert. Wie zum Beweis hat es Apple vor kurzem geschafft, im Börsenwert an Microsoft vorbeizuziehen. Der relativ gesehen weitaus kleinere Konzern mit geringeren Gewinnen ist derzeit rund 225 Milliarden Dollar an der Börse wert, Microsoft nur mehr 220 Milliarden.

Probleme in der Unterhaltungselektroniksparte
Zwar wird Microsoft zu Ende des laufenden Geschäftsjahres im Juli wieder Milliardengewinne verkünden, doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeiten bereits rosiger waren. Seit dem vierten Quartal des vorigen Geschäftsjahres, als der Gewinn erstmals seit 1986 rückläufig war, kämpft Microsoft mit Erlöseinbrüchen.

Jüngst wurden auch die Probleme in der Unterhaltungselektroniksparte von Microsoft deutlich. Ende Mai wurde es ruchbar, dass der Konzern die gesamte Consumer Electronic-Sparte, die für Gadgets wie die Xbox-Spielekonsole, den Musicplayer Zune und PDAs zuständig ist, umkrempeln will. Der Chef der Division, Robbie Bach, verließ den Konzern und mit ihm sein Chefdesigner und -entwickler. Es war Ballmer wohl zu viel, dass die Sparte jahrelang an einem Tablet-PC herumwerkte, nur um dann zusehen zu müssen, wie Apple mit dem iPad den Markt in nur einer Woche an sich riss.

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Juli 2010 / Arno Maierbrugger

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe des pfm-Magazins.

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