Jahr der Wende in der Telekom-Branche

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Jahr der Wende in der Telekom-Branche

 
 

Die Kabelfirmen werden heuer die klassischen Telekomunternehmen technologisch überholen. Der Ausbau von Glasfaser ist aus volkswirtschaftlichen Gründen jedoch unumgänglich.

UPC baut sein Kabelnetz bis Mitte des Jahres auf 100 Mbit/sec aus - das ist das Vierfache dessen, was mit ADSL2plus erreichbar ist. In den klassischen Telekomnetzen, wie sie die Telekom Austria oder Tele2 benutzen, sind höhere Geschwindigkeiten nur durch die Verlegung von Glasfaser erreichbar. Doch die Telekom Austria hat als einziger Incumbent (so werden die aus den PTTs hervorgegangenen Telekomunternhemen genannt) noch keine fixierten Pläne. Auf Anfrage des pfm-Magazin teilte Unternehmenssprecher Martin Bredl mit: "Wir wollen unsere Breitbandstrategie auf Grund der intensiven Wettbewerbssituation nicht veröffentlichen. Alle Fragen zum Netzausbau und neuen Produkten können wir nicht beantworten."

Für Karim Taga, Managing Director des Beraters Arthur D. Little (ADL) und anerkannter Telekom-Spezialist, ist die Situation klar: „Die TA muss in Glasnetze investieren, sonst ist sie ein Übernahmekandidat. Und für Österreich ist es wichtig, dass sie das tut, denn in allen anderen Ländern wird daran gearbeitet. Wenn bei uns das Glasfasernetz nicht ausgebaut wird, haben wir einen klaren Standortnachteil.“ ADL empfiehlt derzeit Mobilfunkern, die auf der Suche nach einem Standbein im Festnetz sind, den Erwerb von Kabelfirmen. "Tele2 ist unattraktiv, da sie bei der Bandbreite nicht mit Kabelfirmen mithalten können, bei Kabel ist hingegen eine hohe Nachhaltigkeit gegeben", sagt Karim Taga.

Wie die Telekom Presse als erste berichtete, will die TA die Wiener Firma CableRunner kaufen, die über 500 Kilometer Glasfasernetz in Wien verfügt und eine Technologie mit der sich Glas im Kanalnetz kostengünstig verlegen lässt. Abgesehen von der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörde ergibt sich aber daraus noch keine Strategie für den Ausbau der Infrastruktur.

Unterschiedliche Kosten
Der Ausbau eines Kabelnetzes auf eine Bandbreite von 100 Mbit/sec ist wesentlich günstiger und rascher zu bewerkstelligen als die Aufrüstung eines klassischen Telefonnetzes. UPC veranschlagt dafür Kosten in Höhe von etwa 100 Millionen Euro und deckt damit 1,1 Millionen Haushalte in Österreich ab. Die Deutsche Telekom veranschlagt für 10 Millionen Haushalte 2,5 Milliarden Euro über einen Zeitraum von vier Jahren. In Ungarn will die Magyar Telekom bis Ende des Jahres 380.000 Haushalte über das Kabelnetz sowie 200.000 Haushalte mit Glasfaser mit Breitband Internet von 100 Mbit/sec versorgen. Bis Ende 2013 soll die Zahl der Glasfaseranschlüsse auf 780.000 erhöht werden.

In den Kabelnetzen ist die verwendete Technologie Docsis 3.0, die im Downstream bis zu 200 Mbit/sec und im Upstream bis zu 100 Mbit/sec ermöglicht. Die Kosten pro Haushalt betragen weniger als 100 Euro. Im Telefonnetz werden zwei Strategien angewendet: Entweder man verlegt Glasfaser bis direkt in die Haushalte (FTTH - Fibre To The Home) - mit Kosten um die 1000 Euro pro Haushalt die teure Variante. Oder man wendet eine Kombination von Glasfaser (FTTC - Fibre To The Curb) und VDSL (bis zu maximal 800 Metern über die existierende Kupferleitung) an. Die Kosten dafür betragen am Beispiel der Deutschen Telekom etwa 250 Euro pro Haushalt.

Regulatorische Probleme
Ein weiterer Vorteil für die Kabelnetzbetreiber ist, dass sie bisher keiner Regulierung unterliegen. Die Verwendung eines Kabelnetzes durch Drittanbieter ist technologisch zudem weit schwieriger und daher teurer. In Österreich erreichen sie insgesamt etwa 1,8 Millionen oder 52 Prozent der Haushalte, angeschlossen sind etwa 590.000. Davon entfallen auf UPC 1,1 Millionen erreichbare und 431.000 angeschlossene Haushalte.

Die Telekom Austria unterliegt hingegen der Regulierung, obwohl sie in Wien sogar weniger Anschlüsse als die UPC hat. International gibt es bei der Regulierung von Glasnetzen unterschiedliche Ansätze. In Deutschland wurden sie für zwei Jahre aus der Regulierung ausgenommen. KPN in Holland verlegt Glas über ein Joint Venture namens Reggefiber, an der KPN 41 Prozent hält. Die Preise für Telekomanbieter werden von Reggefiber selbst festgelegt und sind höher als, die die der Regulator für die KPN errechnet und festgelegt hat. Heuer sollen noch etwa 800.000 von insgesamt sechs Millionen Haushalten angeschlossen werden.

Regulierung in Österreich
Sowohl europäische als auch die nationalen Regulierungsbehörden stehen vor großen Herausforderungen. Die Märkte stehen auch angesichts der Krise vor einer Sättigung und insbesondere der Ausbau der Breitband-Infrastruktur bleibt hinter den Anforderungen zurück. Der zuständige österreichische Regulator Georg Serentschy ortet im Gespräch mit dem pfm-Magazin: "Wir haben einen Investitions-Rückstau beim Festnetz."

"Serentschy könnte sich vorstellen, ähnlich wie das in der Schweiz geschieht, den Ausbau der durch die Identifizierung von ungenutzten Infrastruktur-Kapazitäten zu beschleunigen: „Es existiert sehr viel passive Infrastruktur. Kooperationen mit Städten und Gemeinden wären sinnvoll", so der Regulator.

Serentschy verweist auch auf die Initiativen der EU-Kommission und die Absicht über die Europäische Investment Bank (EIB) mit zu finanzieren. „In der Krise kommt es darauf an zwei Wirkungen zu entfalten: Die kurzfristige Wirkung muss mit einer langfristigen Wachstumsperspektive kombiniert werden. Es hat keinen Sinn, wenn nur ein Effekt erreicht wird“, fasst Serentschy eine effektive Strategie zusammen.

Serentschy sieht auch die Notwendigkeit der Branche klare regulatorische Rahmenbedingungen zu geben um die Chance auf Return on Investment zu sichern. "Wir wollen deshalb in nächster Zeit intensive Diskussionen mit der Branche führen", sagt Serentschy abschließend. Welche regulatorischen Rahmen die Festnetzbranche erwarten kann ist also noch offen, während die Kabelnetze technologisch davon ziehen.

Mobiles Breitband im Vormarsch
Die jährlich von der Arthur D. Little durchgeführte Analyse zeigt die aktuelle Entwicklung des österreichischen Telekommunikationsmarktes im Kontext zu den deutschsprachigen Nachbarländern. Nach der Studie ist die Gesamtkundenanzahl des Breitbandmarktes in Österreich  im Jahr 2008 um 27 Prozent gestiegen und zählte Ende des Jahres 2,8 Millionen Anschlüsse. Mobiles Breitband wird neben DSL zu der am weitest verbreiteten Breitbandtechnologie und durchbricht die Marke von einer Million Kunden. 38 Prozent der Breitbandanschlüsse in Österreich sind mobil.

Im Vergleich mit Deutschland und der Schweiz zeigt sich, dass Österreich in Bezug auf seine Festnetzbreitbandpenetration weit hinter Deutschland und der Schweiz liegt. Während in Österreich nur 48 Prozent der Haushalte über einen Festnetzbreitbandanschluss verfügen, sind es in Deutschland 58 Prozent und in der Schweiz sogar 75 Prozent.

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März  2009 / Peter F. Mayer

 

Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.

 

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