pfm-Magazin: Können Sie uns bitte einen kurzen Überblick über Ihr regionales und inhaltliches Tätigkeitsgebiet geben.
Hanns-Thomas Kopf: Wir haben vor einem Jahr zusätzliche Länder in unseren Cluster übernommen, sind daher für 17 Länder verantwortlich und steuern das zum Großteil aus Wien. Die Entwicklung in diesen Ländern ist sehr positiv, obwohl wir natürlich durch die Krise und die daraus folgende Beruhigung gefordert waren. Aber wir sehen schon wieder Licht am Horizont in einigen Industrien, andere sind noch abwartend.
pfm: In welchen Regionen sind diese 17 Länder?
Kopf: Wir haben schon sehr früh in Wien Verantwortung für Ost- und Südost-Europa übernommen. Begonnen hat das vor 15 Jahren mit Nachbarländern wie Slowakei und Kroatien und das hat sich bis heute sukzessive ausgeweitet und umfasst nun auch Länder wie Ukraine oder Moldawien. Es sind sehr interessante Märkte dabei, wie die Türkei oder Rumänien. Wir haben in all diesen Ländern den IT-Markt begleitet und mitgestaltet. Einer der Treiber war sicher der Beitritt zur EU und wir werden daher unser Know how auch bei neuen Beitrittsländern wie Serbien oder Kroatien sehr gut einbringen können.
pfm: Und was umfasst Ihre Tätigkeit inhaltlich?
Kopf: Wir konzentrieren uns auf das Servicegeschäft, das heißt, wir betreiben die IT-Infrastruktur unserer Kunden, sei es Remote oder outgesourct in unserem Rechenzentrum. Natürlich sind wir auch ganz aktiv an der Implementierung von Lösungen einerseits mit Professional Services von horizontalen Standards unserer Partner SAP, Oracle und Microsoft und andererseits bei der Entwicklung individueller Software, für die wir in Österreich schon immer große Kapazitäten hatten. Wir freuen uns auch in der neuen Siemens IT Solutions und Services Organisation dafür die weltweite Verantwortung erhalten zu haben.
pfm: Wo sind Sie in den Siemens Konzern eingebunden?
Kopf: Wir waren bis vor zwei Jahren ein eigenständiges Unternehmen, wurden dann in den Siemens Konzern eingegliedert und werden mit Ende des Jahres wieder ausgegliedert, wobei weiterhin die Siemens Gruppe zu 100 Prozent Eigentümer bleibt. Wir sind also in den meisten Ländern Schwester der Siemens. Unser Cluster berichtet dann an den neuen Vorstand der SIS München.
pfm: Können Sie uns eine Größenordnung Ihrer Organisation geben?
Kopf: Die Zahlen sind kein Geheimnis, sie werden auch von Gartner und IDC offen gelegt. Wir sind in Österreich die Nummer 1 im IT-Segment und machen über 550 Millionen. In Österreich haben wir 1800 Mitarbeiter und in Summe im Cluster an die 3500. Wir sind echte Dienstleister und damit ist unsere Kompetenz und Asset das Know how unserer Mitarbeiter.
pfm: Wo sehen Sie im Moment die größten Herausforderungen nach der Krise und dem Stellenabbau in Ihrem Haus?
Kopf: Der Stellenabbau ist nicht vornehmlich durch die Krise nötig geworden, sondern vor allem durch die Veränderung des Geschäftes, da hat man mit Nokia Siemens Networks einen Partner im Bereich Communications für das Carrier-Geschäft gefunden und mit den Entwicklungen im Telekom-Markt ist auch das Software-Entwicklungsgeschäft massiv zurückgefallen. Die Maßnahmen sind abgeschlossen und Siemens ist für seine hohe Sozialkompetenz bekannt. Jetzt sehen wir wieder einen guten Auftragsbestand in der Softwareentwicklung. Nachdem der Markt auch in Österreich stagniert hat oder sogar rückläufig war, sehen wir jetzt wieder einen Aufwärtstrend. In schwierigen Zeiten überlegen Unternehmen, auf was sie sich konzentrieren wollen und das führt dazu, dass IT wieder zunehmend outgesourct wird. Das war auch schon 2000 so. Jetzt gibt es wieder große Nachfrage und wir arbeiten an der Beantwortung vieler Anfragen und Ausschreibungen. Das dauert natürlich gerade im IT-Outsourcing, es gibt eine ziemliche Vorbereitungszeit.
pfm: Aus welchen Sektoren und Branchen kommt jetzt die zunehmende Nachfrage?
Kopf: Im Infrastrukturbereich kommt aus der Privatwirtschaft und der Fertigungsindustrie die stärkste Nachfrage. Auch im Finanzmarkt wird intensiv überlegt IT in die Hände professioneller Anbieter zu geben, aber auch in der Retail- oder Serviceindustrie gibt es einen starken Trend dazu. Das Lösungsumfeld ist noch immer sehr stark durch den öffentlichen Sektor dominiert. Gerade in Österreich gab es sehr viele Investitionsimpulse und nicht umsonst wurde Österreich als führendes Land bei E-Government ausgezeichnet. Jetzt registrieren wir genau diesen Bedarf in allen anderen Ländern, in denen wir tätig sind. Es entstehen Großprojekte im Rahmen der Umsetzung der europäischen Richtlinien. Sehr viele Projekte, die mit Biometrie zu tun haben, werden gestartet, wir haben etwa in der Tschechischen Republik und in der Slowakei die biometrische Basis gelegt. Wir haben für Projekte wie Pass, Führerschein oder E-Card den Rollout gehabt. Es gibt einige Folgeprojekte, die mit den international getriebenen Vorschriften notwendig geworden sind und Chancen für die Branche eröffnen.
pfm: Also der öffentliche Sektor läuft weiter gut. Und wie sieht es in der Privatwirtschaft aus?
Kopf: Da spüren wir in den vergangenen 18 Monaten, dass nicht unbedingt notwendige Projekte gestreckt werden, da man nicht abschätzen kann wie nachhaltig die Wirtschaftserholung ist. Die Planungen gehen jetzt aber weiter und die Projekte sind nur verzögert aber nicht gänzlich ausgesetzt. Wir sind zuversichtlich, dass in einigen Monaten wieder größere Investments getätigt werden.
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Juli 2010 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe des pfm-Magazin.
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