Ein kürzlich von der EU-Kommission vorgelegter Bericht über die digitale Wettbewerbsfähigkeit Europas zeigt, dass die IKT-Branche eine der wichtigsten Triebkräfte der europäischen Wirtschaft ist. Die seit 1995 in der EU erzielten Produktivitätsgewinne gehen zu 50 Prozent auf das Konto der IKT und die Wertschöpfung des europäischen IKT-Sektors beläuft sich auf etwa 600 Milliarden Euro. Das entspricht 4,8 Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes. Kein Wunder also, dass die EU im Rahmen der Strategie „Europa 2020“, die die vorrangigen Ziele auf EU-Ebene für die nächsten zehn Jahre festlegt und die Ende 2010 auslaufende Lissabon-Strategie ablöst, auch der IKT einen hohen Stellenwert einräumt.
Die Digitale Agenda
Die „Digitale Agenda für Europa“ ist eine unter sieben Leitinitiativen, die von der Kommission vorgeschlagen wurde um Europa auch in den nächsten zehn Jahren wettbewerbsfähig zu halten. Die Agenda sieht sieben vorrangige Aktionsbereiche vor.
Neben der Schaffung eines digitalen Binnenmarkts, will die Kommission eine größere Interoperabilität erreichen, sowie das Vertrauen und die Sicherheit im Internet steigern. Zudem werden neben dem Breitbandausbau, mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, sowie die Verbesserung der digitalen Kompetenzen und Integration, als auch der Einsatz der IKT zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen wie Klimawandel und Bevölkerungsalterung angestrebt. In diesen sieben Bereichen sieht die Digitale Agenda etwa 100 Folgemaßnahmen vor. Auf die Frage, welchen Stellenwert die IKT innerhalb der europäischen Regionalpolitik einnimmt, sagt EU-Regionalkommissar Johannes Hahn zum pfm-Magazin: „Insgesamt steht der europäischen Regionalpolitik ein Budget von fast 350 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon sind 86 Milliarden Euro für Innovationen im Allgemeinen reserviert und circa 17 Milliarden Euro davon sind wiederum im engeren Sinne für Informations- und Kommunikationstechnologien bestimmt. Damit wird einerseits sowohl in die Infrastruktur oder den Breitband-Ausbau investiert, aber – was auch sehr wichtig ist – auf der anderen Seite die digitale Kompetenz der EU-Bürger gefördert.“
Ehrgeizige Ziele
Als ehrgeiziges Ziel der Strategie 2020 ist die Realisierung eines Hochgeschwindigkeitsinternets mit 30 Mbit/s für alle EU-Bürger bis zum Jahr 2013 zu nennen. Darauf angesprochen, beschwichtigt Kommissar Hahn: „Das ist ein sehr ehrgeiziges und wohl auch kostenintensives Ziel, ich glaube eher nicht, dass wir es bis 2013 erreichen werden. Aber ich denke dass es wichtig ist, manchmal ehrgeizige Ziele zu haben und den Breitband-Ausbau werden wir auch in der nächsten Finanzperiode anstreben. Wir sind überzeugt, dass es notwendig ist den Breitbandausbau in Europa voranzutreiben. In ein paar Wochen wird es ein weiteres Treffen mit Kommissarin Neelie Kroes bezüglich der Digitalen Agenda geben.“
Im Jahr 2009 verfügten 24,8 Prozent der EU-Bürger über einen Festnetz-Breitbandanschluss, jedoch leisten lediglich 18 Prozent dieser Anschlüsse mehr als 10 Mbit/s. Damit liegt die EU bei der Einführung von Zugangsnetzen der nächsten Generation weit hinter Ländern wie Korea und Japan zurück. Auch beim digitalen Binnenmarkt ist die EU verglichen mit den USA ein Nachzügler. Während in den USA 75 Prozent der Internetnutzer online kaufen oder verkaufen, ist eCommerce in den EU-Staaten lediglich zu 54 Prozent verbreitet.
Breitband und Förderungen
Österreich liegt laut Kommissions-Bericht bei der Festnetz-Breitbandversorgung mit 22,7 Prozent noch hinter dem EU-Durchschnitt, jedoch sind wir beim mobilen Breitband mit einer Durchdringungsrate von 15,1 Prozent weit über dem EU-Durchschnitt von 5,2 Prozent. Bei der regelmäßigen Internet-Nutzung (mindestens einmal pro Woche) liegt Österreich EU-weit auf dem zehnten Platz, bei der täglichen Nutzung auf Platz zwölf. In Sachen eCommerce nutzen die Österreicher das Internet zwar häufig um Konsumgüter zu erstehen, jedoch liegt man beim Kauf von Online-Inhalten hinter dem EU-Durchschnitt. Als führend wird Österreich jedoch hinsichtlich eGovernment bezeichnet.
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Juni 2010 / Claudia Thon
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juni-Ausgabe des pfm-Magazins.
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