IKT-Schicksalsjahr 2009

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IKT-Schicksalsjahr 2009

 
 

Für die IT- und Telekombranche wird 2009 ein schlimmes Jahr: Mit Meldungen über zehntausende Jobverluste und extreme Gewinneinbrüche fing 2009 die IT-Größen schlecht an. Die Wirtschaftskrise droht, die Entwicklung der noch jungen Informationsgesellschaft zu bremsen.

Die IT-Branche wird im Jahr 2009 durch ein Tal der Tränen gehen müssen. Eindeutige Indikatoren zeigen, dass die gesamte Informations-und Telekomindustrie keineswegs vor der Flaute gefeit ist, wie es einige Branchenvertreter anfangs noch hofften. Es hieß, dass Unternehmen gerade in Sparzeiten auf die Dienste von IT-Integratoren und Telekomexperten zurückgreifen, um noch die letzten Streamlining-Prozesse aus ihren Geschäftsprozessen herauszukitzeln. Doch daraus wird mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nichts werden.

 
Talfahrt
Wir befinden uns in der Talfahrt eines Branchenzyklus, der sich gerade erst vom Krisenjahr 2001 – dem Niedergang der New Economy – erholt hat. Nach sieben Jahren zeigt die Kurve nun wieder nach unten. Die Hauptkunden der IT-Industrie Unternehmen, Behörden und Private – haben sich bis 2008 offenbar so ausreichend mit Hardware und IT-Infrastruktur eingedeckt, dass sie überzeugt sind, die laufende Krise ohne größere Investitionen zu überstehen.

Unterlegt wird diese Annahme mit den traurigen Geschäftsaussichten der großen IT-Firmen: Der Chip-Riese Intel hat 2008 um fast 30 Prozent weniger Prozessoren verkauft und einen Gewinneinbruch von 90 Prozent in Aussicht gestellt. Beim Handyriesen Nokia ist der Gewinn um 36 Prozent zurückgegangen. Beide Unternehmen sind die Indikatoren für die IT-Branche: Geht es ihnen schlecht, dann auch der gesamten Branche.

Microsoft streicht Stellen
Und so ist es auch: Der erfolgsverwöhnte Softwarekonzern Microsoft muss erstmals in der Firmengeschichte Stellen streichen, und zwar gleich 5000. Der Nettogewinn im abgelaufenen Finanzquartal ist um elf Prozent gefallen. Die Rückgänge führen Analysten nicht nur auf den schlechten Erfolg des Betriebssystems Vista zurück, sondern auf die tiefer liegende Krise des gesamten Umfelds. "Microsoft sendet das Signal, dass sich die Zeiten in der Branche tatsächlich ändern", urteilt Analyst Richard Williams von Cross Research.

Krise ist da
Die Hiobsbotschaften folgten zu Jahresbeginn im Stakkato-Rhythmus: Ericsson, Sony, eBay, LG, Google, AMD, Motorola, Infineon und viele andere, deren Bilanzbericht und Jahresvorschau noch bevorsteht, geraten mehr oder weniger tief in den Sog der Krise, verzeichnen Umsatz- und Gewinneinbrüche und müssen Arbeitsplätze abbauen. Siemens zieht sich aus seiner Computer-Allianz mit Fujitsu zurück, was sich zweifellos auf die Arbeitsplätze beim Joint-venture auswirken wird. Auch für einen weiteren Branchenriesen wird das Jahr 2009 nicht einfach: Der marktführende Netzwerkausstatter Cisco verzeichnete genau zu Jahreswechsel, als die IT-Budgets der Kunden für 2008 verbucht waren, einen 20-prozentigen Auftragseinbruch. "Es ist klar, die Krise ist da", sagt Cisco-Chef John Chambers. "Das Umfeld hat sich dramatisch verändert".

Und die Spirale könnte sich weiter nach unten drehen. IT-Budgets bei den meisten Unternehmen sind mehr oder weniger eingefroren, auch dem schönrednerischen Argument, die "Krise ist für die IT eine Chance", kommt den IT-Beratern immer seltener über die Lippen. Schließlich sind viele Sparpotentiale in der Unternehmens-IT schon ausgeschöpft, und das Outsourcing- bzw. IT-Offshoring-Geschäft hat zuletzt durch den Bilanzskandal beim indischen IT-Dienstleister Satyam und die Weltbank-Sanktionen gegenüber Wipro weiteren erheblichen Schaden erlitten. Im Gegenzug rechnen sich immerhin westliche Firmen, allen voran IBM, Chancen aus, Teile des IT-Geschäfts der in Misskredit geratenen indischen Rivalen übernehmen zu können.

Kosteneffekt von Open Source
Die Branchenkrise hat auch Österreich im Griff. Das merkte man an der heuer eher mäßig besuchten ITnT-Messe Ende Jänner. Der bisher als zentrale Leitmesse für das IKT-Geschäft in Mittel-und Osteuropa gehandelte Branchentreff verzeichnete einen 20-prozentigen Rückgang der Besucher.Für einige enttäuschte Aussteller war vor allem die Tatsache, dass Schwergewichte wie Microsoft, IBM, Hewlett-Packard, Telekom und Mobilkom der ITnT fern blieben, ein schwerer Schlag. Aussteller bemängelten zudem die mangelnde Marketingarbeit für die Messe sowie das Fehlen wichtiger Entscheidungsträger und Keynote-Speaker auf den Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden.

Staatliche IT-Investitionen
Die Hoffnung der österreichischen IT-Wirtschaft ruht nun vor allem auf den zukünftigen IT-Investitionen der Bundesregierung, eine Art "indirekter Bailout", wie ein Messeveranstalter süffisant anmerkte. Die neue Regierung von Werner Faymann hat bereits einige Ambitionen in diese Richtung verlauten lassen. Manfred Matzka, Sektionschef im Bundeskanzleramt, meinte auf der ITnT, dass die Regierung "das Ohr an der Wirtschaft" haben müsse und "gegebenenfalls" Projekte vorziehen oder intensivieren müssen, um "Impulse zu setzen". Zudem würde die öffentliche Verwaltung durch Einsparungen profitieren.

IKT-Projektförderung
Die Regierung hat eine IKT-Projektförderung in der Höhe von zehn Millionen Euro zugesagt. Zusätzlich ist die 4. IKT-Ausschreibung im Rahmen des EU-Forschungsprogramms mit insgesamt 800 Millionen Euro für zwei Jahre dotiert, Summen, die "einen Schub für IT-Innovationen in Österreich bringen", wie Hans-Jürgen Pollirer, Obmann der Bundessparte Information und Consulting, urteilt. Man brauche die Krise nicht leugnen, "aber das Jammern nützt auch nichts", so Pollirer. Für eine effiziente Umsetzung der Programme und der zielgerichteten Vergabe öffentlichen IT-Aufträge wünscht sich Pollirer im Einklang mit der Branche eine "Bündelung der IT-Verantwortlichkeiten" auf Bundesebene, etwa nach dem Beispiel Deutschlands, "wo IT längst zur Chefsache von Bundeskanzlerin Angela Merkel abwärts erklärt worden ist." Immerhin trage die IT-Wirtschaft in Österreich mit rund 15.000 Unternehmen – von den Big Playern über tausende KMU und kleine bis Einzelunternehmen etwa sechs Prozent zum BIP bei und beschäftige knapp 120.000 Menschen.

Die ITnT ist allerdings nur ein kleiner Fisch, wenn man die Probleme der weltweit größten IT-Branchenmesse, der CeBIT in Hannover, betrachtet.  Heuer wird die Aussteller- und Besucherzahl weiter sinken, und Veranstalter Deutsche Messe AG hat ernsthafte Schwierigkeiten, mit der Mega-Veranstaltung positiv zu bilanzieren. Damit setzt sich der Niedergang der CeBIT weiter fort. "Die aktuelle Konjunktursituation ist nicht die beste Zeit für eine Rekordmesse", erklärt folgerichtig Deutsche Messe AG-Sprecher Hartwig von Sass. Man zähle allerdings darauf, dass einige Unternehmen unter dem Motto "Jetzt erst recht" versuchen, das momentane Umfeld für sich zu nutzen und neue Sparthemen wie Cloud Computing und Open Source zu forcieren.

Das Jammertal
Nach Aussagen von Branchenriesen wie IBM dürfte die Krise am weltweiten IT-Markt rund zwei Jahre andauern. Dabei darf man allerdings die weitreichenden Folgen nicht vergessen, die die Situation mittelfristig auf Innovationen haben wird. Nach Meldungen des "Wall Street Journal" ist das IT-Innovationszentrum der Welt, Silicon Valley, durch das Ausbleiben des früher üppig verteilten Venture-Kapitals in nachhaltigen Schwierigkeiten, da immer mehr Start Ups keine Geldgeber mehr finden und die berühmten Garagen-Unternehmen ihre Pforten schließen müssen. Im letzten Quartal 2008 ist das Venture-Kapital, das in innovative neue Firmen geflossen ist, laut dem Branchendienst VentureSource um fast ein Drittel auf 5,54 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal zurück gegangen.

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März  2009 / Arno Maierbrugger

 

Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.

 

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