Damit ein Personenzug auf die Reise geschickt werden kann, ist viel Arbeit im Hintergrund notwendig. Waggons müssen gereinigt werden. Der Inhalt der Toilettenbehälter muss entsorgt werden, neues Spülwasser kommt in den Vorratstank. Da und dort braucht eine Glühlampe Ersatz. Der schwere Trolley vom Bordservice muss, frisch geladen, in den Zug hinein. Auch Lokomotiven wollen versorgt und geprüft werden, bevor sie auf die Strecke gehen.
Das Ganze kann man sieben Mal in Wien machen, in jahrzehntealten, mühselig an neue Erfordernisse angepassten Gebäuden und Wind und Wetter ausgesetzten Arealen. Oder nur einmal, für ganz Wien, und das so modern und effizient wie möglich. Voraussetzung dafür ist, dass auch die meisten Züge von einem Bahnhof in der Nähe kommen oder von ihm wegfahren. Genau das wird ab 2012 in Wien der Fall sein. Der neue Hauptbahnhof nimmt den ganzen Personenverkehr der Ostbahn und der Südbahn auf, dazu noch den hochwertigen Fernverkehr der Westbahn und die internationalen Züge der Nordbahn. Auf der Schnellbahnstrecke quer durch Wien fahren immer mehr Personenzüge durch – auch sie brauchen Pflege und Wartung.
Matzleinsdorf als Stützpunkt
Da trifft es sich gut, dass der Güterverkehr den Frachtenbahnhof Matzleinsdorf nicht mehr braucht. So wurde ein eineinhalb Kilometer langes und bis zu 180 Meter breites Grundstück frei, das genau zwischen dem neuen Hauptbahnhof und dem Bahnhof Wien-Meidling liegt. Besser hätte man es gar nicht treffen können! „Hightech-Stützpunkt Matzleinsdorf“ nennt die Bahn diese Konzentration an Technik, Service und Personalgebäuden für drei verschiedene ÖBB-Gesellschaften: Personenverkehr AG, Technische Services GmbH und Produktion GmbH. Wobei sich hinter „Produktion“ ein guter alter Bekannter verbirgt, der offenbar alle paar Jahre einen neuen Namen braucht: Die Einsatzleitung für die Lokomotiven, vormals „Traktion“, vor-vormals, seit Kaisers Tagen: „Zugförderung“.
Die Servicehalle
Herzstück der Anlage ist eine 240 Meter lange und mehr als 60 Meter breite Halle, in der sieben ganze Züge Platz haben, und daneben noch Dutzende Lokomotiven und einzelne Waggons. Die Halle ist lang genug, um auf jedem Gleis einen der neuen Railjets aufnehmen zu können, einschließlich seiner Lok. Die sieben Waggons eines Railjets sind nicht mit den üblichen, leicht zu lösenden Schraubenkupplungen verbunden. Sie sind luftdicht eng aneinander gekoppelt und wären daher nur mit sehr hohem Aufwand zu trennen. Brauchen sie aber nicht, denn in der neuen „Blockzughalle“ ist Platz für ganze Garnituren. In der Halle liegen die Gleise nicht im Boden, sie sind auf großen Stahlträgern aufgeständert. Die Serviceteams können bequem unter Lok und Waggons durchgehen, Wartungsarbeiten durchführen oder auch nur feststellen, ob Bremsen und Achsen in Ordnung sind.
Sechs oder sieben (Doppelstock-) Waggons, ist auch die maximale Länge, die Regionalzüge auf der Fahrt durch die Schnellbahnstrecke von Meidling nach Floridsdorf haben können. Auch diese Garnituren werden en bloc gewartet. Apropos „en bloc“: Besonders stolz sind die ÖBB-Techniker über die unterflur eingebaute Radsatzdrehbank. Sie erlaubt es, jeweils zwei Achsen gleichzeitig abzudrehen und damit wieder in jenen perfekten Zustand zu bringen, der erst das Fahren für den Reisenden zum Vergnügen macht. Ein ganzer Zug wird Drehgestell für Drehgestell auf die Drehbank gestellt – ohne ihn trennen zu müssen. Daneben gibt es in der Halle Platz für 41 Lokomotiven zur Ausrüstung und Untersuchung. Und in einer kleinen Halle am Rand des Areals wartet eine mobile Eisenbahnwerkstatt auf ihren Einsatz – der „Hilfszug“, der immer dann ausrückt, wenn ein vom Gleis abgekommenes Fahrzeug wieder dorthin zurück muss.
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Feber 2010 / Josef Broukal
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Feber-Ausgabe des pfm-Magazins.
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