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Green Computing

 
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Vom Trend der umweltfreundlichen IT scheint nicht mehr als ein Schlagwort übrig geblieben zu sein. Eine Zwischenbilanz der elektronischen Öko-Bewegung zeigt, dass mehr Lippenbekenntnisse als Taten erfolgt sind.

(Wien, 20.09.2010) Um das Trendthema Green Computing ist es relativ ruhig geworden. Was ist geschehen? Möglicherweise ist das Problem des Carbon Footprint der unternehmenseigenen IT-Anlage im Zuge der Finanzkrise ins Hintertreffen geraten. Möglicherweise haben aber auch IT-Manager bemerkt, dass die Einsparungen – und um diese geht es hauptsächlich – nicht so schnell bzw. gar nicht greifen.
Was man sich immer schon gedacht hat, ist, dass IT-Firmen die grüne Masche gerne ins Repertoire aufgenommen haben, um den Absatz ihrer Produkte um den Gewissensfaktor anzureichern. In erster Linie ging es um den Stromverbrauch: Natürlich verbraucht ein TFT-Monitor weniger Strom als ein veralteter Röhrenbildschirm, und mit optimierten Kühlmaßnahmen lassen sich auch Rechenzentren um einiges günstiger betreiben.

Aber ist das schon Green IT? In der gesamten Diskussion darf der komplette Kreislauf von Herstellung von Computer  und letztlich deren Entsorgung nicht vergessen werden.  PCs und Laptops werden billigst in Fernost zusammengezimmert, und man kann davon ausgehen, dass Umweltauflagen, welcher Art auch immer, nicht die erste Priorität haben. Über den gesamten Einsatzkreislauf der Geräte – wo sicherlich auch „grüne Effekte“ zu erzielen sind – wird noch viel zuwenig über das Recycling von Computern diskutiert. In den meisten Fällen enden IT-Anlagen immer noch als Sondermüll auf irgendeiner Deponie, oder sie werden irgendwo in die Dritte Welt verscherbelt.

Was ist also der Reiz von Green Computing? Was ein Unternehmen möglicherweise an einer besseren, umweltfreundlicheren Konzeption seiner IT-Struktur einspart, wird sehr wahrscheinlich von den stetig neuen Anforderungen mobiler Kommunikation wieder zunichte gemacht. Der professionelle Einsatzzyklus von Blackberrys und Smartphones beträgt kaum mehr als ein bis zwei Jahre, und dann werden neue Geräte gekauft und alte entsorgt.

Wer guten Gewissens seine angejahrte Elektronik einem guten Zweck zur Verfügung stellen will, erlebt auch seine blauen Wunder. Statt alte Röhrenbildschirme und dergleichen wegzuwerfen, bot sich in Österreich die (mittlerweile in Konkurs gegangene) Second-Hand-Kette Moneypoint an, die Geräte anzukaufen und Nachnutzern anzubieten. Was mit dem alten Zeugs wirklich geschah, erklärte ein Mitarbeiter gegenüber PFM ziemlich unverblümt: Eine Sammlung alter Ladegeräte und CD-Laufwerke wurde entgegengenommen mit dem Kommentar, dass man das „nach Kuba oder irgendwo nach Afrika“ weitergeben werden, man habe ja seine Kanäle.

Das Umweltargument, auf dem die großen Hersteller ihr Green Computing-Marketing aufbauen, ist im wesentlichen von technologischer Innovation statt von wirklichem Umweltbewußtsein getragen. Dies wird nun eben geschickt in die Trend-Vermarktung und die Selbstdarstellung der IT-Firmen eingearbeitet.

Wer, wenn nicht Greenpeace, spricht klare Worte in Bezug auf den Green IT-Trend. Seit 2004 nimmt die Umweltschutzorganisation die IT-Branche unter die Lupe. Der vierteljährlich erscheinende „Guide to Greener Electronics“ bewertet die Öko-Politik der Hersteller und ist deshalb bei den Großen der IT-Branche wie Apple, Sony, Nokia, Microsoft oder IBM gefürchtet.

Im letzten Ranking schnitten Cisco, Dell und Ericsson relativ gut ab, während sich Sony, Sharp, Panasonic und SAP auf den letzten Rängen tummelten. Gemessen wurde das Engagement der Firmen für Umweltpolitik besonders in Hinblick auf Senkung der CO2-Emissionen und wie stark sich das Unternehmen für den Klimaschutz einsetzt. Der Webriese Google nahm dabei nur einen mittleren Rang ein. Zwar wurde von Greenpeace der Einsatz Googles für die Messung und Reduzierung des Stromverbrauchs von Computeranlagen gelobt, jedoch kritisiert, dass sich der Konzern selbst keinerlei konkrete Ziele für die Senkung der CO2-Emissionen gesetzt hat.

Ganz ähnlich der Rüffel für Microsoft. Der Softwarekonzern habe sich zwar punktuell Ziele für die Reduzierung der Treibhausgase gesetzt, doch ein verbindliches Gesamtziel fehle.

Ein weiteres Problem ist die gegenwärtige Kollision zweiter IT-Trends. Zum einen die Green IT, zum anderen das Cloud Computing. Greenpeace moniert, dass der Trend zum Cloud Computing eine zunehmende Belastung für die Umwelt darstellt. Nach Ansicht der Umweltschützer steigt der Stromverbrauch, wenn Unternehmen und Privatanwender ihre Daten auf Serverfarmen speichern oder Anwendungen via Internet auf Servern abrufen. Die Anbieter seien daher angehalten, darauf zu achten, dass ihre Serverfarmen ihren Strom hauptsächlich aus erneuerbarer Energiequellen beziehen und nicht etwa aus Kohlekraftwerken.

Schlechtes Urteil
Im vergangenen Jahr haben auch Marktforscher von Gartner in Zusammenarbeit mit dem World Wide Fund for Nature die Green IT unter die Lupe genommen, und das Urteil konnte nicht schlechter ausfallen. Nach Ansicht der Experten drehen sich die Mühlen in Sachen Green IT in der Branche nur langsam. Die Kritik ist niederschmetternd, denn die Zeit, Umweltschutz-Strategien zu entwickeln und umzusetzen, sei längst gekommen: Technologien und Konzepte für energieeffiziente, ausstoßarme Produkte seien verfügbar und könnten sofort eingesetzt werden. Auch die Art, wie die Firmen ihren eigenen Betrieb führen, wird kritisiert.

Vermisst werden zum Beispiel „intelligente“ Gebäudetechniken, aber auch Grid-Applikationen und Anwendungen, mit denen Firmen webbasiert auf hocheffiziente Ressourcen zugreifen. Selbst Videokonferenzen als Alternative zur ökologisch bedenklichen und zudem noch teuren Dienstreise hätten sich noch längst nicht durchgesetzt. Doch gerade das würde die Kohlendioxidmenge drastisch verringern, so die Gartner-Analysten.

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September 2010 / Arno Maierbrugger

Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins.

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