Geldanlage: Investieren Computer besser?

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Fast könnte man das glauben. Vor allem in den heiklen Marktphasen der letzten Jahre Allzu ließen computergesteuerte Handelssysteme so manchen Börsenguru hinter sich.

Allzu viel hatten Investmentfonds-Anbieter in letzter Zeit nicht zu lachen. Und die meisten Anleger auch nicht. Dabei war 2009, isoliert betrachtet, gar kein schlechtes Aktienjahr. Von März bis in den Herbst hinein ging es an den Börsen bergauf, zum Teil sogar in rekordverdächtigem Ausmaß. Um die zuvor kassierten Verluste wettzumachen, reichte es trotzdem nicht.

Warum nicht, macht eine simple Rechnung deutlich: Nach einem Einbruch um 50 Prozent müsste eine Aktie schon um 100 Prozent steigen, um wieder ihr Ausgangsniveau zu erreichen. Und das ist in so kurzer Zeit kaum zu schaffen.

Nun soll man ja Investments nie kurzfristig sehen. Aber selbst bei einer Langzeitbetrachtung zeigt sich: So manche „eherne Veranlagungsregel“ gilt offenbar nicht mehr. Anlageexperten haben jahrzehntelang gepredigt, dass man mit Aktieninvestments wenig verkehrt machen kann, wenn man sie nur möglichst breit streut und lange hält. In den vergangenen zehn Jahren hätte sich diese Methode jedoch nicht wirklich bewährt, wie eine von der RLB Niederösterreich-Wien durchgeführte Untersuchung zeigt. Sie verglich die Entwicklung der wichtigsten Assetklassen im Zeitraum zwischen 2000 und 2009 und kam zu einem Ergebnis, das die alten „Gesetzmäßigkeiten“ ad absurdum führt. „Buy-and-Hold-Aktieninvestments  sind unter Risikogesichtspunkten nicht mehr zu rechtfertigen“, so Vorstandsdirektor Gerhard Rehor. Und zwar selbst dann nicht, wenn man sie weltweit streut.

Als absolute Top-Performer erwiesen sich laut dieser Untersuchung Schwellenländeraktien mit einem Plus von insgesamt 273 Prozent – allerdings schwankten die Kurse dieser Papiere extrem stark. Man müsste schon ein Zocker mit eisernen Nerven sein, um alles auf diese Karte zu setzen. Dagegen finden sich die „etablierten“ Aktienmärkte der USA, Europas und Japans am unteren Ende der Skala. Mit US-Aktien schaffte man in zehn Jahren ein mageres Plus von insgesamt sechs Prozent – ein gebundenes Sparbuch hätte deutlich mehr gebracht. Und mit europäischen oder japanischen Papieren verlor man sogar jeweils rund 17 Prozent. Verglichen damit, wäre das Geld sogar am Girokonto besser aufgehoben gewesen. Mit vergleichsweise sicheren, oft als „langweilig“ verschrienen Investments fuhr man dagegen recht gut: Der Euro-Geldmarkt brachte  immerhin ein Plus von 43  Prozent,  Staatsanleihen sogar ein plus von 67 Prozent. 

Trendfolger
Noch stärker auf der Gewinnerstraße: sogenannte CTAs (Commodity Trading Advisors), auch als  Managed Futures bekannt. Solche vollautomatischen Handelssysteme brachten innerhalb von zehn Jahren ohne allzu große Kursschwankungen immerhin einen Zuwachs von 75 Prozent und reihten sich auf Platz vier der besten Renditenbringer ein (hinter Schwellenländeraktien, globalen Hochzinsanleihen und Schwellenländeranleihen). CTAs waren ursprünglich Warentermingeschäfte, heute setzen sie vor allem auf Währungen, Zinsinstrumente und Aktienindizes. Die Besonderheit dabei: Sie laufen computergesteuert ab und sind üblicherweise als sogenannte „Trendfolger“ konzipiert. Im Klartext: Das System ortet automatisch Markttrends und springt auf den Zug auf. Sobald der Trend bricht, wird konsequent ausgestiegen, um die Verluste klein zu halten. „Solche Modelle arbeiten zu hundert Prozent systematisch, es gibt keine emotionalen Entscheidungen“, erklärt Fritz Strobl, Chef von Volksbank Investments, einem von mehreren heimischen Investmenthäusern, die mit solchen Systemen arbeiten. Zwar müssen die computergestützten Systeme ohne die „Geniestreiche“ von Börsengurus auskommen – dafür passieren ihnen aber auch keine typisch menschlichen Fehler. Gerade österreichische Fondsanbieter sind mit solchen Modellen erfolgreich unterwegs. So schaffte Volksbank Investments im  „Katastrophenjahr“ 2008  mit dem „Alpha Strategien Futures MH Fonds“ ein Plus von mehr als 65 Prozent (!) und stellte damit den weltweiten Bestperformer unter den Managed Futures Fonds.

In letzter Zeit ebenfalls top: die in Wien gemanagten C-Quadrat ARTS-Dachfonds. Auch sie basieren auf computergestützten Trendfolgemodellen – und äumten heuer beim „Deutschen Fondspreis“ zwölf von 51 möglichen Preisen ab (davon sieben für eigene Fonds, fünf weitere für solche, die sie für die Deutsche-Bank-Tochter DWS verwalten). Verglichen wurde die ein-, drei- und fünfjährige Performance der Fonds. Nur wer ein insgesamt positives Ergebnis schaffte, war im Rennen um die Preise mit dabei. Erfreuliches Fazit: Es gab wieder wesentlich mehr Fonds als im Jahr zuvor, die diese Voraussetzung erfüllten. Allerdings stahlen in etlichen Kategorien automatische Handelssysteme den menschlichen Fondsmanagern die Show.

Wer daraus schließen möchte, dass der Computer immer recht hat, ist aber trotzdem auf dem Holzweg. Das System liege „nur“ in etwa 50 Prozent der Fälle richtig, relativiert ARTS-CEO Leo Willert. Allerdings reiche das im Normalfall aus, um damit gut zu fahren: Im Schnitt werde mit den Gewinner-Trades doppelt so viel gewonnen, wie mit den Verlierer-Trades in den Sand gesetzt wird. Was einfach daran liegt, dass das System Gewinne laufen lässt, Verluste jedoch konsequent begrenzt. Etwa im Vorjahr hatten viele Trendfolger dennoch massive Probleme – die Markttrends waren einfach nicht stabil genug.  So verlor der „Alpha Strategien Futures MH“ 2009 mehr als 13 Prozent.

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März 2010 / Christine Kary

Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.

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