Röntgenbilder und Fotonegative werden zu Lampenschirmen, Mülltonnen zu Sofas verarbeitet und aus LKW- und Werbeplanen entstehen Laptoptaschen. Wer hinter diesem Design-Konzept Recycling vermutet, liegt nicht ganz richtig. In der Werkstatt des sozialökonomischen Betriebs gabarage upcycling design dreht sich alles um Upcycling. Dabei werden aus Abfallstoffen und ausgedienten Alltagsgegenständen hochwertige Produkte hergestellt – im Gegensatz zu Recycling, wo aus Material wie Kunststoff keine Produkte ihrer ursprünglichen Qualität mehr entstehen können. Neben einem nachhaltig ökonomischen leistet gabarage auch einen gesellschaftlichen Beitrag. Gabriele Gottwald-Nathaniel ist Initiatorin und strategische Gesamtleiterin von gabarage sowie Verwaltungsdirektorin des Anton Proksch Instituts. Sie gibt Einblick in die Unternehmensphilosophie und erzählt von den drei Säulen der Designmanufaktur – Design, Ökologie und sozialer Verantwortung.
pfm-Magazin: Wie kamen Sie auf die Idee, aus alten Materialien neue zu machen?
Gabriele Gottwald-Nathaniel: Design und Ökologie sind heutzutage kein Widerspruch mehr. Altmaterialien sind ideale Ressourcen, wenn es um die Verbindung von Kreativität und nachhaltiger Produktion geht.Was für die einen nichts als Abfall ist, nutzen wir als Rohstoff, um diesen, scheinbar unbrauchbar gewordenen, Gegenständen wieder neues Leben einzuhauchen. Das nennt sich Upcycling. Wir verlängern mit guten Ideen die Lebenszyklen von Materialien. Durch die besondere Beschaffenheit der Ausgangsmaterialien sind noch dazu beinahe alle unsere Produkte Unikate. Selbst in Kleinserien unterscheiden sich die Designstücke immer noch geringfügig.
pfm-Magazin: Welche Philosophie steht hinter dem Unternehmen?
Gottwald-Nathaniel: Gabarage wurde 2002 als Projekt im Rahmen eines EU-Förderprogrammes gestartet. Wir bieten Arbeitsplätze für benachteiligte Personengruppen, mit dem Ziel des (Wieder-) Einstiegs in den Regelarbeitsmarkt. Aus den verschiedensten Abfallmaterialien werden im Sinne der Nachhaltigkeit unterschiedliche Produkte für Privatkunden oder Unternehmen in einem gemeinsamen Designprozess hergestellt. Dabei stehen sowohl das Design wie auch unsere Mitarbeiter im Mittelpunkt. Die Materialien, mit denen wir arbeiten, sind an sich nicht nachhaltig produziert, durch unsere Arbeit können wir aber den Produktlebenszyklus verlängern und den Produkten dadurch einen zweiten Nutzen geben. Damit setzen wir ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität, es geht uns sowohl um gesellschaftliche als auch ökologische Verantwortung. Wir übernehmen nachhaltige Verantwortung für uns und für die Zukunft nicht nur punktuell, sondern auf vielen Ebenen. Gabarage steht dadurch sowohl auf ökologischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene für Nachhaltigkeit.
pfm: Wer sind Ihre Kunden?
Gottwald-Nathaniel: Menschen die Freude an gutem Design haben und gleichzeitig den sozialen Gedanken hinter der Idee unterstützen möchten. Unsere Kunden vereinen dabei einen auf Gesundheit und Nachhaltigkeit geprägten Lifestyle mit hohen Ansprüchen an Design und Funktionalität. Unsere Kunden wollen Designerstücke, die genauso speziell und einzigartig sind wie sie selbst. Das bekommen sie bei gabarage.
pfm: Wie viele Mitarbeiter haben Sie?
Gottwald-Nathaniel: In Summe beschäftigt gabarage in beiden Wiener Standorten bis zu 55 Personen. Die genaue Zahl kann variieren, da wir verschiedene Beschäftigungsformen anbieten. Ein neues Projekt ist jetzt das Angebot von Transit- beziehungsweise Tagesarbeitsplätzen.
pfm: Wie funktioniert Ihre Lösung im Detail, von der Verarbeitung der alten Materialien zur Produktion neuer Gebrauchsgegenstände?
Gottwald-Nathaniel: Unser Kreativ-Team entwickelt in Zusammenarbeit mit Designern Produkte für Privatpersonen und Unternehmen. Die Ausgangsmaterialien werden dabei aus ihrem ursprünglichen Kontext genommen und einer neuen Funktion zugeführt. Aus alten Werbe(netz)Planen entstehen in unserer Werkstatt beispielsweise Klassiker wie die Umhängetasche „gababag“, aus alten Filmstreifen werden Lampenschirme, alte Müllcontainer zu Sitzbänken oder ausgediente Verkehrsschilder werden als Regal wiederverwertet. Auch aus formschönen Restmaterialien wie Schalldämpfern und Dichtungsringen werden durch die kreativen Hände des Teams schöne und dabei unkonventionelle Schmuckstücke. Wir erfüllen auch ganz individuelle Wünsche unserer Kunden und Partner, dabei wird jedoch die Produktqualität und -sicherheit der Designprodukte nie aus den Augen verloren.
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Juli 2010 / Eva Zelechowski
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Juli/August-Ausgabe des pfm-Magazin.
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Fotos: Fotocredit: gabarage
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