Es war einmal eine gut aufgestellte und wohlhabende Gemeinde. Allerdings fuhren die meisten Fremden nur vorbei, um zum benachbarten internationalen Flughafen zu gelangen. Dies sollte sich schlagartig ändern, beschlossen die Weisen der Stadt mit einem Hang zur Utopie…
Im Jahr 2005 initiierte die Gemeinde Schwechat gemeinsam mit Forschungsmanagern des Unternehmens Innovation Consultancy das Stadtentwicklungs- und Infrastrukturprojekt eSchwechat.at. Es folgte die Schaffung der stadteigenen Forschungsgesellschaft CEIT (Central Europan Institute of Technology) mit ihren beiden Töchtern CEIT Raltec und CEIT Alanova, die ihrerseits einen Grundstein für weitere Institutionen und Technologie- Unternehmen legten.
eSchwechat.at thematisiert in diesem Umfeld einen weiten Themenausschnitt eines aufstrebenden IKT-Standortes. Auf der Ebene der gewünschten Betriebsansiedelungen forciert die inhaltliche und räumliche Konzentration neuer Institutionen einen Technologietransfer an lokale Unternehmen. Dies ist allerdings nur die Basis des Konzepts, denn das Fünfjahresprogramm denkt traditionelle Industrie- und Wissenschaftsparks weiter und holt Technologieprojekte direkt in den Alltag der Bürger. Auf einer stadt- und alltagszentrierten Ebene arbeitet eSchwechat.at an zeitgeistigen Problemfeldern wie Verkehr, Energiemanagement, Smart Living, E- Health und nicht zuletzt an der Vernetzung von städtischer Infrastruktur über das Internet.
Wlan-Glocke über Schwechat
Erst im November 2008 konnte Bürgermeister Hannes Fazekas eine öster-reichweite Innovation präsentieren: Die Stadt wurde mit einer Breitband Wlan-Glocke (Breitband-Wireless Local Area Network ) überzogen, die als Gratisservice den öffentlichen Raum und Bürger mobil machen und vernetzen soll. Noch steckt alles in den Kinderschuhen, vorerst sind es sechs Sendestationen, allerdings steht ein weiterer Ausbau bevor.
Immerhin konnten laut Betreiber circa 50 Benutzer pro Tag seit Start des Gratisservices verzeichnet werden. Die Betreiberfirma Loop21 Mobile Freedom GmbH entwickelte ein Geschäftsmodell, das in Schwechat für weitere Gemeinden erprobt wird. Die Formel ist einfach: Ein Gratis-Zugang zum Gemeindeinternet für alle Bürger, der durch Werbeinschaltungen lokaler Wirtschaftsunternehmen refinanziert wird.
Versuchsfeld Living Lab
Der eigentliche innovative Kern von eSchwechat.at begann nach Projektstart mit einer Mitgliedschaft beim jungen europäischen Netzwerk „Living Lab“. Der klingende Begriff Living Lab meint nichts Geringeres als den Versuch, die ganze Stadt in ein lebendiges Laboratorium zu wandeln. Geht es nach den verantwortlichen Köpfen, wird die gesamte kommunale Gesellschaft für die lebensnahe Entwicklung und Erprobung innovativer Ideen der IKT-Branche eingespannt. „Sticky knowledge“, das lokale, „klebrige“ Wissen und die individuellen Vorstellungen wie Vorlieben der Ansässigen, sind der zusätzliche Schmierstoff für den Motor Innovation.
Keine Labormäuse
Wichtiger Erfolgsfaktor des Projekts LivingLab Schwechat ist die regelmäßige Aktivierung und Einbindung von Gruppen und Einzelpersonen, mit denen Inventionen zu Innovationen reifen können. Auf einer Basis der Freiwilligkeit entstanden zu den Teilprojekten Fokusgruppen mit "Forschungsbürgern", die sich in den laufenden Projekten schwerpunktmäßig aus der Zielgruppe der Senioren zusammensetzen.
"Keine Kritik"
Wenn auch die offiziellen Projektstimmen die Wahrung aller ethischen Aspekte betonen - in der Projektsteuerungsgruppe von eSchwechat.at nehmen seit Beginn auch Bürgervertreter teil - drängt sich das Bild des „demokratisch ausgenutzten“ Bürgers auf. Gab es hier von irgendeiner Seite Bedenken? Helmut Paugger von Innovation Consultancy verneint: "Es gab bis dato keinerlei Kritik am LivingLab Schwechat. Im Rahmen der Projekte von CEIT Raltec beteiligen sich immer wieder BürgerInnen an Forschungs- und Entwicklungsprojekten im Rahmen sogenannter Ambient Assisted Living-Technologien. Innerhalb der Steuerungsgruppe wie auch innerhalb des Seniorenbeirats der Stadt Schwechat und des IT Forum Schwechat werden neue Ideen und Entwicklungen laufend vorgestellt und zur Zusammenarbeit eingeladen."
eShoe
So geschah es im Rahmen des LivingLab Projekts "eShoe", das zu einem möglichst unabhängigen Lebensstil älterer Menschen in den eigenen vier Wänden beitragen will. Aus dem Seniorenheim der Stadt wurden „Forschungsbürger“ eingeladen, beim Prototypen -Test teilzunehmen.
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März 2009 / Pamela Bartar
Den gesamten Artikel lesen Sie in der März-Ausgabe des pfm-Magazins.
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