In der Zeit seit der Kommerzialisierung des Internets und der Mobiltelefonie haben die Telekommunikationsmärkte Westeuropas eine gewaltige Expansion erlebt. Diese Periode deckt sich mit der Transition Osteuropas nach dem Fall der Berliner Mauer und der Entwicklung von der sozialistisch-kommunistischen Art der Marktlenkung Richtung Kapitalismus. Diese Expansion hat auf den Lokalmärkten heftige Konkurrenz geschaffen, sodass derzeit, zumindest in der Mobiltelefonie, auf den Muttermärkten die Eroberung neuer Kunden fast aussichtslos ist. All das bedingt, dass die Notwendigkeit Eroberung neuer Märkte im Wortsinn zum Imperativ geworden ist.
Unterschiedliche Startpositionen
Die Politik der Erweiterung und der Eroberung neuer Märkte zur Zeit einer großen Wirtschaftskrise kann nicht für alle Eroberer gleichermaßen attraktiv sein – zumal sie unterschiedliche Startpositionen haben. Wenn wir den Raum Südosteuropa betrachten, dann ist die Deutsche Telekom (DT) hier sozusagen ein absoluter Herrscher. Telekom Austria versucht derzeit einen weiteren Teil des Marktes zu erobern, jedoch mit (momentan) schlechterer Ausgangsposition. Die DT besitzt den Großteil aller strategisch wichtigen Telekoms, nämlich die ehemaligen Staatsunternehmen.
In elf Ländern vertreten
Letzten Schätzungen zufolge wird die Deutsche Telekom im Balkanraum 2008 über 2,5 Millliarden Euro an Einnahmen erwirtschaften. Von dieser Summe sind ungefähr zehn Prozent Nettoeinnahmen oder reiner Verdienst. Die Tätigkeit der Deutschen Telekom in elf Ländern Südosteuropas wird hauptsächlich durch drei Unternehmen koordiniert: die kroatische T-HT, die ungarische Magyar Telekom und die griechische OTE, die zu 25 Prozent zur DT gehört (siehe Kasten). Über diese drei Unternehmen ist die DT durch eigene Geschäftsnetzwerke in fast allen übrigen Balkanstaaten vertreten.
Slowenien
Als Interessenszone der DT ist derzeit Slowenien brandaktuell, hier wird der Markt durch die kroatische T-HT und Magyar Telekom in Angriff genommen, die aktiv an der Übernahme des grössten Telekomunternehmens in Slowenien Telekom Slovenije (TS) arbeiten. Die Wirtschaftskrise bedingt auch die Dringlichkeit mancher Entscheidungen die vor einem Jahr niemand erwartet hatte: Nach neuesten Informationen aus Slowenien hat am 18. November die staatliche Fondsgesellschaft Slovenska odškodninska družba (SOD) zehn Prozent ihrer Anteile an Telekom Slovenije (TS) zum Kauf angeboten. SOD hat damit 14,21 Prozent der Aktien die in seinem Besitz sind, freigegeben. Im SOD hat man sich, aufgrund der Dringlichkeit der Mittelsicherstellung für die Auszahlung der Schadensabfertigung an Investoren für den Verkauf entschieden, heißt es in einer Presseaussendung. Insider erwarten, dass die DT zum Zug kommt.
Von den übrigen Ländern Südosteuropas hat die DT nur in Albanien und Bulgarien keine führende Marktposition, ist aber sehr wohl auch auf diesen Märkten anwesend.
Stützpunkt in Ungarn
In diesem Moment ist der wichtigste Regionaloperator der Deutschen Telekom die Magyar Telekom, ein Unternehmen das jährlich 2,69 Milliarden Euro erwirtschaftet. DT besitzt 59,3 Prozent Anteile des grössten Telekomunternehmens in Ungarn, das in seinem Portfolio eine Reihe strategisch wichtiger Positionen besitzt; vor allem in Montenegro und Mazedonien, wo es die ehemaligen Monopolisten übernommen hat. Zusätzlich besitzt die Magyar Telekom führende Alternativoperateure in Bulgarien und Rumänien, die Unternehmen Orbitel und Combridge und ausserhalb Südosteuropas auch die Telekom Novatel in der Ukraine. In Bosnien-Herzegowina ist die DT zu 46 Prozent an HT Mostar beteiligt, einer der drei Telekomgrößen im Land.
Innovation als Strategie
Neben DT konnte auf dem Balkan auch die Telekom Austria einen großen Teil des Kuchens über ihre Tochterunternehmen an sich bringen. Die TA besitzt Anteile an Mobilfunkanbietern in Kroatien, Serbien, Mazedonien, Slowenien, Bulgarien und Weissrussland.
Obwohl das österreichische Unternehmen nicht überall Marktführer ist, zeichnet sich die Mobilkom Austria auf den eroberten Märkten vor allem durch Innovation aus. Telekom Austria hat über die Mobilkom Austria als erster Anbieter kommerzielle NFC-Dienste, oder auch den A1-Dienst über IP (Kombination des VoIP mit der A1-SIM-Karte) lanciert, wofür sie auch mit dem GBT-Innovationspreis belohnt wurde. Als ein großer Marktvorteil wird auch das UMTS-Experimentalnetzwerk in Minsk und Mogilew angeführt sowie die Übernahme des Unternehmens MDC in Weissrussland. Die Homebox-Einführung der Mobitel in Bulgarien und der Start von HSDPA in Kroatien durch Vipnet oder UMTS/HSDPA durch die Mobilkom-Tochter Si.mobil in Slowenien, sind weitere Beispiele innovativer Dienste auf dem südosteuropäischen Markt.
Konkurrenzkampf
Eine heftige Konfrontation zwischen der DT und der TA wird in Bosnien-Herzegowina und Serbien erwartet, ausgelöst durch die Privatisierungsprozesse dortiger ehemaliger Monopolisten. Auch wenn es, wie angekündigt, zu einer Verschiebung der Privatisierung der Telekom Serbien auf das Jahr 2010 kommt, werden die potenziellen Käufer die Zeit zur Stärkung ihrer lokalen Positionen nutzen. Die Privatisierung der Telekom Serbiens wird die bedeutendste in der Region Ex-Jugoslawiens sein, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Telekom Serbiens täglich neue Marktanteile im wachsenden Markt der bosnischen Republika Srpska (Telekom Srpska: Monopolist) und Montenegro (M:tel) über ihre Tochterunternehmen erobert.
[..] Dezember 2008 / Aleksandar Aleksic´ Den gesamten Artikel lesen Sie in der November-Ausgabe des pfm-Magazins.
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