Der massivste Stromausfall in den USA und in Kanada im Jahr 2003 versetzte etwa 50 Millionen Menschen in die Finsternis und verursachte einen Schaden von etwa sieben Milliarden Dollar. Knapp danach kam es im August des gleichen Jahres in Italien zu einem großflächigen Ausfall. In Österreich konnte ein Zusammenbruch durch eine blitzschnelle Zuschaltung des Maltakraftwerks gerade noch vermieden werden. Ähnlich die Situation im November 2006 als eine Störung im Norden Deutschlands weitreichende Stromausfälle bei unseren nördlichen Nachbarn verursachten.
Problematisch im Jahr 2003 war vor allem, dass die Lücke in der 380kV Nord-Süd-Leitung durch die Steiermark nicht geschlossen war - der Bau soll nun im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Dazu kommt, dass die Stromproduktion aus Windkraft im Norden wächst, die größten Verbraucher aber im Süden bedient werden müssen. Das ist aber nur ein Teil des Problems. US-Analysen nach dem großen Blackout ergaben, dass die Stromnetze, die in den 50er Jahren konzipiert und gebaut worden waren, auf völlig veralteten Technologien beruhen. Die Information über Netzzustände ist enden wollend und die Schaltelemente reagieren viel zu langsam.
Ein grundsätzliches Problem der Netze besteht darin, dass großen zentralen Energieerzeugern unzählige dezentrale Verbraucher gegenüber stehen, die nichts voneinander wissen. Und die einzige Möglichkeit Elektrizität zu speichern sind die Stauseen, in die man bei Stromüberschuss Wasser nach oben pumpt.
Paradigmenwechsel
Die Situation ändert sich derzeit aber radikal. Das ist auch den Verantwortlichen der E-Wirtschaft klar. Verbund-General Michael Pistauer sagte bei einer Konferenz des Klima- und Energiefonds: "Wir sind in einem Paradigmenwechsel – mit den traditionellen Methoden können wir die Energieversorgung nicht sichern und schaffen auch den Klimawandel nicht." Benötigt würden leistungsfähigere Netze. Für Experten Stefan P. Schleicher, Professor an der Universität Graz und Beirat des Klimafonds, geht das nur durch den Umbau der Netze und der Stromerzeugung in so genannte Smart Grids, also ein Energie Internet. Im White Paper des US Department of Energy (DOE) über Smart Grids heißt es gleich zu Beginn: "Es ist eine kolossale Aufgabe. Aber es ist eine Aufgabe, die erledigt werden muss."
Gegenseitige Information
Was Produzenten und Konsumenten voneinander wissen möchten ist relativ simpel. Der Produzent möchte gerne wissen, was wer gerade verbraucht und wie sich der Verbrauch in der nahen Zukunft verändern wird. Und der Konsument möchte wissen, was der Strom jeweils gerade kostet. Beide Seiten wissen das derzeit nicht. Selbst industrielle Verbraucher, die unterschiedliche Sätze für Grund- und Spitzenlast zahlen, wissen nicht unbedingt, was der Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade kostet. Und die Konsumenten haben überhaupt keine Information, ob sie gerade billigen oder teuren Strom beziehen und treiben damit den durchschnittlichen Preis in die Höhe. Dabei ist gar nicht einzusehen, warum Wäschetrockner, Geschirrspüler oder die Waschmaschine gerade in Zeiten des höchsten Strombedarfes laufen müssen.
In der Telekombranche wird dagegen jedes Bit gezählt und jede Sekunde registriert. Das DOE verwendet einen drastischen Vergleich um die Entwicklungsunterschiede der Telekom- und E-Wirtschaft zu veranschaulichen: Wenn Graham Bell, der Erfinder des Telefons, in die Jetztzeit versetzt wird, würde er kein einziges modernes Kommunikationsgerät erkennen. Thomas Edison hingegen, einem der Architekten der Architektur von Stromnetzen, würde alles sehr vertraut erscheinen.
Neue Technologien
Die Erzeugung von Strom aus Solarzellen wird vom Staat stärker gefördert und immer mehr Hausbesitzer und Unternehmen sind bereit sich an dieser Form der Energieproduktion zu beteiligen. Neben Wind- und Kleinwasserkraftwerken entsteht damit eine dritte Energiequelle, die sehr dezentralisiert aufgestellt ist. Eine weitere "Quelle" wird ab etwa 2010 hinzukommen und zwar in Form der Akkus in Elektrofahrzeugen. Stromüberschüsse können gespeichert und bei Spitzenbedarf wieder abgerufen werden. Das geschieht bereits in London, da die Stadt ja massiv auf umweltfreundlichen Verkehr und damit auf Elektroautos setzt. Wenn man bedenkt, dass ein PKW von 8700 Stunden im Jahr durchschnittlich nur 200 Stunden genutzt wird, ergibt sich daraus einiges an Speicherpotenzial. Experten wie das DOE sagen sogar voraus, dass der PHEV (Plug in Hybrid Electric Vehicle) die Killer Applikation für das Smart Grid sein wird. Wie E-Mail zur Akzeptanz des Internet beigetragen hat, werden Hybridautos, die über das Netz aufladbar sind, zur Verbreitung des Smart Grid beitragen. Aber egal ob bei Solarstrom oder bei Autoakkus - auch hier entsteht wieder Informationsbedarf.
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Dezember 2008 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des pfm-Magazins.
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