Social, Media, Apps, killen, klassische, Medien

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Apps und Social Media killen klassische Medien

 

Nicht nur die Telekombranche, sondern auch die Medienwelt steht vor grundlegenden Veränderungen. Die alten Geschäftsmodelle taugen nicht mehr, denn Werbung fließt über neue Kanäle zu neuen Empfängern. Die Gewohnheiten und Erwartungen der Konsumenten sind anders geworden.

(Wien, 20.09.2010) Kürzlich habe ich mir im YouTube Channel von Poisonville den Trailer des neuen Spiels von Bigpoint.com angesehen. Am Ende poppte punktgenau eine Werbung von tele.ring auf. Wenn ich die RunKeeper App aufmache, erscheint nach einigen Sekunden eine Werbung von sms.at. Vertreibe ich Gelsen mit der Stop-Mosquito App, sehe ich „Sparen Sie 5 Euro beim Einkauf auf Mjuma.at“. Und ein iPhone User, der die Billa App benutzt, braucht keine zusätzliche Werbung mehr.

Nicht nur internationale Großkonzerne, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen aus Österreich, schalten ihre Anzeigen über Google, die sie punktgenau auf Android-Smartphones, YouTube Videos oder eben auf Webseiten ausliefern. Apple wird demnächst mit iAds das gleiche für iPhones und iPads machen. Facebook kassiert einen immer größeren Anteil an Werbung und In-Game-Advertising gewinnt rasant an Bedeutung.

Verkauf alleine reicht nicht
Seit Beginn der Krise klagen alle über Rückgänge bei den Werbeschaltungen. Es herrscht Einigkeit darüber, dass frühere Ausgabenhöhen nicht mehr erreicht werden. Ich glaube, dass sie – soweit klassische Print- und Online-Medien sowie TV betroffen sind – sogar von dem niedrigen Niveau noch weiter zurückgehen werden. Denn die Verbreitung von Online Gaming, Social Media sowie von Smartphones und Apps wird weiter rasant zunehmen und immer mehr Werbemittel anziehen. Internationale Großkonzerne kontrollieren und steuern gerne alles zentral. Und was bietet sich dann mehr an, als seine Werbeetats direkt aus der Zentrale an Google und Apple zu vergeben und zentral gesteuert in einzelne Märkte fließen zu lassen.

Ich kenne kein Medium, das sich noch zur Gänze durch den Verkauf erhalten kann. Im Gegenteil, getrieben durch den freien Content im Internet, werden immer mehr Medien kostenlos verteilt. Mit der Umlenkung der Werbemittel in andere Kanäle wird der Spielraum also laufend enger und das Geschäftsmodell nicht mehr haltbar. Mit Auflagenreduktion, Kürzung des Inhaltes und Verringerung der redaktionellen Mannschaft konnte bisher noch gegengesteuert werden. Aber wie lange noch? Zum Jahreswechsel gab es in Österreich bereits Verlagsinsolvenzen und kleinere Medien verschwinden laufend – jüngstes Beispiel Economy.

Gleichzeitig ist in Social Media eine völlig neue Medienwelt entstanden – via Blogs, Tweets, Facebook und ähnlichem. Österreichische Beispiele dafür sind der Kärntner Georg Holzer oder Ritchie Blogfried Pettauer. Pettauer hat auf Facebook 1895 Fans und auf Twitter 2782 Follower, Holzer 1725 auf Facebook und 3071 auf Twitter. In Deutschland sind etwa Heike Scholz mit ihrer Website Mobile Zeitgeist und 5078 Followern auf Twitter oder Holger Schmidt der innerhalb der FAZ als „Netz-oekonom“ bloggt und 7516 Follower auf Twitter hat, noch einflussreicher. In den USA gibt es natürlich eine ganze Reihe von Bloggern, die ebenfalls über verschiedene Kanäle veröffentlichen und eine noch größere Audienz haben.

Gemeinsam ist diesen Autoren in der Blogosphäre, dass sie mehr oder weniger allein oder allenfalls in sehr kleinen Ad-hoc-Teams arbeiten. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie in ihrem Gebiet über ein exzellentes Fachwissen verfügen und sehr viel selbst Recherchiertes anzubieten haben. Basierend auf ihrem Wissen pflegen sie natürlich auch einen anderen Schreib- und Berichtsstil und lassen ihr Know how sowie ihre Meinung in die Artikel einfließen. Im klassischen Journalismus ist das durchaus verpönt und in seiner extremen Ausformung in den USA wird es zur reinen Zitateschreiberei. Wobei der Autor seine Meinung durch geeignete Auswahl der zitierten Personen sehr wohl unter dem Deckmantel der Objektivität transportiert.

Geschäftsmodelle der Zukunft
Die Frage ist also zweifach: Welche Inhalte müssen Medien in Zukunft anbieten und welche Geschäftsmodelle können sich als erfolgreich erweisen. Bei schrumpfenden Werbekuchen, ist die zielgenaue Erreichung von Usergruppen und vor allem eines kaufkräftigen Publikums essenziell. Welche Geschäftsmodelle eine gewisse Nachhaltigkeit entwickeln werden, lässt sich heute noch sehr schwer abschätzen, die einzige Konstante wird wahrscheinlich die laufende Veränderung der Rahmenbedingungen und damit auch der Geschäftsmodelle sein.

 

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Isolde Bastian, 04.11.2010
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