Als im Jahr 1986 der Italiener Carlo Petrini zum öffentlichen Schmaus am Fuße der Spanischen Treppe in Rom einlud, galt sein Protest der als Kulturschande empfundenen Eröffnung des ersten Fastfood-Lokals durch McDonalds im Gourmetparadies Italien. An einem langen Tisch wurden von Petrini und Freunden typische italienische Köstlichkeiten den Passanten angeboten.
Heute zählt die Slow Food Bewegung bereits 85.000 Mitglieder in 110 Ländern, davon etwas mehr als 1000 in Österreich. Damit sich die Mitglieder besser orientieren können, gibt es auch eigene Gourmetführer - der umfangreichste natürlich für Italien. In der Osterie d‘Italie finden sich mittlerweile 1500 Lokale samt kurzer Beschreibung des dort gebotenen. Helmut Hundlinger, Convivienleiter Waldviertel, schildert seine Erfahrungen: "Oft sind es Lokale, die man gar nicht finden würde, und wenn man sie findet, dann würde man nicht hineingehen. Ich habe schon an die 50 Lokale besucht und es war immer ausgezeichnet."
Gut, sauber und fair
In den Lokalen bekommt man regionale Produkte, die oft nach alten Rezepten zubereitet werden. Und die Preise sind mehr als fair. Hundlinger berichtet vom Besuch eines Lokals in San Daniele: "Wir waren nach einer mehrtägigen Reise schon mehr als satt. Aber als uns der Wirt nach Anitpasti, Primi und Secondi Piatti noch ein Caprita, ein geschmortes Zicklein, servierte, langten nochmals alle zu. Und der Preis für ein fünfgängiges Menü - Nachtisch gab es auch noch - mit Weinbegleitung, Grappa und Kaffee fiel mit 30 Euro mehr als fair aus." Auch das gehört zum Begriff der Fairness, dass für ein - normalerweise - viergängiges Menü samt Wein, Wasser und Kaffee in den Lokalen mit der Schnecke nicht mehr als 30 bis 40 Euro zu bezahlen sind.
Die Slow Food Bewegung ist in Convivien (Lat. Convivium - Zusammenleben) organisiert. Aufgabe der Convivien ist sich um lokale Produkte zu kümmern, Restaurants zu testen und Veranstaltung aber auch Gourmetreisen zu organisieren. In Österreich gibt es derzeit etwa elf Convivien, das Wiener wird von Barabara van Melle geleitet, das Waldviertler eben von Helmut Hundlinger. Insbesondere die bekannte ORF-Journalistin van Melle hat viel zum Aufschwung der Bewegung auch in Österreich beigetragen.
Salone del Gusto
Der internationale Dachverband organisiert eine Reihe von Events, von denen der Salone del Gusto der größte ist. Ende Oktober fand heuer der siebente Salone in Turin statt. 180.000 Besucher delektierten sich an fünf Tagen an den ausgestellten Köstlichkeiten. Parallel dazu fand die Terra Madre 2008 statt, eine Netzwerkveranstaltung für Anbau, Produzenten und Köche. In Workshops diskutieren Teilenehmer aus aller Welt über Methoden und Stärkung klassischer regionaler Produkte. Denn Slow Food beschränkt sich nicht mehr nur auf das gute Essen, sondern kümmert sich sehr stark um Biodiversität, die Wiederbelebung alter Produkte und um die Dritte Welt. Eine ganz logische Erweiterung: Ohne hervorragende Qualität der Ausgangsprodukte gibt es kein wohlschmeckendes Essen und bei der Verengung der Auswahl in den Supermärkten bald wirklich nur mehr Fast Food.
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Dezember 2008 / Peter F. Mayer
Den gesamten Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des pfm-Magazins.
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