(Wien, 20.09.2010) Bei den Smart Grids werden Stromnetze mit IKT gekoppelt. Das ermöglicht die zeitnahe und bidirektionale Kommunikation zwischen Netzkomponenten, Erzeugern, Speichern und Verbrauchern. Auf dieser Basis können zum Beispiel intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meters, eingeführt werden, die die Fernauslese ermöglichen. Aber auch intelligente Haushaltsgeräte – die sich nur dann einschalten, wenn der Strom am günstigsten ist – wären denkbar. Um das „Internet der Energie“ scharrt sich bereits ein großer Markt – das Volumen der verschiedenen Komponenten, die für den Aufbau der Smart Grids benötigt werden, soll im Jahr 2014 weltweit bis zu 150 Milliarden Dollar betragen. Auch für Österreich zeigt eine aktuelle Erhebung des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) großes Wachstumspotenzial.
High Potential
Laut dem FEEI bewegt sich das Potenzial der Smart Grids innerhalb der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie inklusive der vor- und nachgelagerten Bereiche im Jahr 2015 bei einem Produktionswert von rund 417 Millionen Euro beziehungsweise mehr als 2700 Beschäftigungsverhältnissen. Von 2013 bis 2015 wird in der Produktion ein Plus von 84 Prozent sowie ein Beschäftigungsanstieg von 77 Prozent erwartet. Dazu kommen noch die Exporte, die innerhalb der heimischen Elektroindustrie bei rund 70 Prozent liegen und daher zusätzlich auf den weltweiten Märkten beachtliches Wachstumspotenzial bereithalten. Der Aufbau der intelligenten Stromnetze wird der europäischen Technologieplattform Smart Grids zufolge jedoch bis 2030 Investitionen in Höhe von 390 Milliarden Euro allein in Europa erfordern. Im vergangenen Jahr investierten die heimischen Unternehmen rund 13 Millionen Euro in Forschung, Entwicklung und Produktion, im Jahr 2013 sollen es laut FEEI bereits 35 Millionen Euro sein.
Herausforderungen
Der FEEI sieht noch einige Herausforderungen für die Zukunft und macht auf die Dringlichkeit der Smart-Grid-Implementierung aufmerksam. „Es geht jetzt darum, einen Wachstumstreiber zu finden. Wir gehen davon aus, dass es Smart Grids sind. In Zukunft wird die Situation immer chaotischer werden, da es immer mehr dezentrale Erzeuger geben wird. Angesichts der Bestrebungen in Richtung Energieeffizienz und erneuerbare Energien wird es dann andere Anforderungen geben. Man kann es mit dem Aufbau der Mobiltelefonie vor 20 Jahren vergleichen. Es wird hier eine enorme Revolution geben. Europa und Österreich haben hier Vorteile, denn die BRIC-Staaten sind noch nicht in der Lage diese Systeme umzusetzen“, betont FEEI-Obfrau Brigitte Ederer.
Um die Technologie voranzutreiben, ist laut FEEI die Erhöhung der F&E-Förderung für Smart-Grid-Basistechnologien von derzeit sechs bis zehn Millionen Euro pro Jahr auf zwölf bis 15 Millionen notwendig. Zudem müssen großflächige Demonstrationsprojekte realisiert werden um Österreich als Testmarkt im internationalen Wettbewerb zu stärken. Gefragt sind auch Wirtschaft und Politik, die sowohl nationale als auch europäische Interessen in den globalen Standardisierungsprozess einbringen müssen. Ebenfalls sind entsprechende Aus- und Weiterbildungsinitiativen zu schaffen.
Gegenstimmen
Doch nicht von allen wird die Smart-Grid-Technologie so positiv gesehen. Da die intelligenten Stromnetze nicht nur Energie, sondern auch Informationen transportieren, regen sich auch Missbrauchsbefürchtungen. Auf der Hacker-Konferenz „Black Hat“ in Las Vegas machten Sicherheitsexperten im Juli auf die Angreifbarkeit der Smart Grids aufmerksam. Datenschützer befürchten, dass Dritte auf die Kundeninformationen zugreifen und daraus Schlüsse ziehen könnten. Aber auch die Manipulation durch die Kunden selbst wäre möglich – um die Stromrechnung zu senken. Sicherheitslücken könnten laut den Hackern sogar ausgenutzt werden, um die Stromversorgung einer ganzen Stadt lahm zu legen. Außerdem wird vor hohen Kosten der Smart Meters gewarnt. Eine Studie von CapGemini sieht bei einer Jahresrechnung von etwa 650 Euro lediglich ein Einsparungspotenzial von zwölf Euro. Was Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI dazu sagt, lesen Sie im Interview.
Interview mit Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI
pfm-Magazin: Welchen Stand hat Österreich bei den Smart Grids im internationalen Vergleich?
Lothar Roitner: Für uns sind Smart Grids ein wesentliches Element für die Zukunft – vor allem in Bezug auf Energieeffizienz und im Zusammenhang mit der CO2-Reduktion. Dafür brauchen wir Smart Grids unbedingt. Und sie werden kommen. Die Frage ist nur, ob mit oder ohne Technologie aus Österreich. Derzeit sind viele EU-Länder dabei die Smart Grids hochzufahren. Italien ist da beispielsweise weiter als andere Länder in Sachen Smart Metering. Aber im Endeffekt stehen wir alle noch am Beginn. Uns fehlen derzeit die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Zusammenarbeit. Alle Stakeholder sollten sich zusammenfinden, um entsprechende Innovationen und Investitionen voranzutreiben, das ist noch verbesserungsfähig.
pfm: Wann werden Smart Grids Realität?
Roitner: Wir hoffen relativ rasch, in den nächsten Jahren. Die technischen Voraussetzungen wären ja da, es geht nur um die breitflächige Einführung. Das dauert natürlich ein paar Jahre. Es geht um eine Zusammenarbeit von allen, die Energiewirtschaft muss in diese Technologie investieren. Dazu bedarf es eines gewissen Anstoßes der Politik. Es ist ja eine tief politische Diskussion, da man die Umweltdebatte nicht ohne Energieeffizienz führen darf. Man muss einen Punkt finden, an dem die Energiewirtschaft investiert. Es bedarf jetzt nur mehr eines Anstoßes.
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September 2010 / Claudia Thon
Den gesamten Artikel lesen Sie in der September-Ausgabe des pfm-Magazins.
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